Nach fast sechs Jahrzehnten ist Schluss: Der “SonntagsBlick” erscheint ab 2027 nicht mehr. Wie aus unabhängigen Quellen übereinstimmend zu erfahren war, hat sich der Ringier-Verlag endgültig dazu entschieden, die traditionsreiche Sonntagszeitung einzustellen. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus, doch die Entscheidung soll bereits gefallen sein.
Am 23. März 1969 revolutionierte der “SonntagsBlick” die Schweizer Presselandschaft als erste Sonntagszeitung des Landes. Mit einem sanfteren Ansatz als sein tägliches Pendant “Blick” setzte er auf Lebensfreude und Genuss statt auf Härte und Polemik. In seiner Blütezeit verkaufte das Blatt über 300.000 Exemplare und erreichte fast eine Million Leserinnen und Leser. Doch die Digitalisierung hat dem Boulevard-Titel schwer zugesetzt: Heute liegt die Auflage bei knapp 75.000, die Reichweite bei rund 265.000 Lesern – weit hinter der “SonntagsZeitung” und der “NZZ am Sonntag”.
Das Aus für eine Sonntagsinstitution
Bereits Ende 2024 strich Ringier das “SonntagsBlick-Magazin” und ließ die letzten roten Verkaufskästen aus den Gemeinden entfernen. Ringier-CEO Marc Walder deutete im Mai 2025 gegenüber SRF an, dass Print-Publikationen “nachhaltig Geld verdienen müssen” – und genau dies sei beim SonntagsBlick besonders schwierig. Nun will der Verlag offenbar die Ressourcen auf die Samstagsausgabe des “Blick” konzentrieren, die möglicherweise in “Blick am Wochenende” umbenannt wird – angelehnt an das erfolgreiche Modell “Schweiz am Wochenende” von CH Media. Sportfans trifft dieser Schritt besonders: Der “SonntagsBlick” galt als eines der umfangreichsten Sonntags-Sportmedien.
Die Einstellung hat weitreichende Folgen. Bisher teilten sich die drei großen deutschschweizer Sonntagszeitungen die Zustellkosten über die Presto Presse-Vertriebs AG. Ab 2027 müssen “SonntagsZeitung” und “NZZ am Sonntag” diese Kosten allein stemmen. Branchenkenner befürchten, dass dies weitere Titel unter Druck setzt. Der “SonntagsBlick” war zudem ein wichtiges Sprachrohr für tiefgründige Analysen und investigative Berichterstattung im Ringier-Haus – auch diese publizistische Stimme verstummt nun.
Ringier selbst hält sich bedeckt. Auf Anfrage von Schweizer Medien erklärte eine Sprecherin: “Wir kennen die Branchengerüchte und werden Ankündigungen machen, wenn es etwas anzukündigen gibt.” Für viele treue Leserinnen und Leser, die den “SonntagsBlick” seit Jahrzehnten aus dem Briefkasten holten, kommt das Ende dennoch überraschend schnell. Ein großes Kapitel der Schweizer Mediengeschichte neigt sich damit endgültig dem Ende zu.
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