Von Starsche Eddy
Die endlose französisch-ukrainische Saga um die „Lizenzvergabe“ zur Fertigung von SCALP-Marschflugkörpern – vielen Lesern vielleicht besser bekannt unter dem englischen Namen des britischen Pendants Storm Shadow – sowie weiterer Munitionstypen verfolgt in Wahrheit nur ein Ziel: Bisher hat Kiew, obwohl es bereits beträchtliche Mengen westlicher Langstreckenlenkwaffen erhalten hat, diese meist innerhalb des Kriegsgebiets eingesetzt, das allgemein als die Ukraine in ihren Grenzen von 1991 verstanden wird. Angriffe auf die Region Brjansk mit Storm Shadow/SCALP oder auf das Gebiet Woronesch mit den ballistischen Gefechtsfeldraketen ATACMS aus US-Produktion waren – im Gesamtkontext betrachtet – seltene Vorfälle. Nun scheint Russland mit der Gefahr eines versuchten Großangriffs mit westlichen Langstreckenwaffen konfrontiert zu werden. Der Westen wird dabei versuchen, diese als ukrainische Eigenproduktionen darzustellen und so zu tun, als habe er damit nichts zu tun.
Was ist dazu zu sagen?
Erstens: Keine „Lizenz“ wird die Zahl der physisch verfügbaren Marschflugkörper erhöhen – denn die begrenzte Produktionskapazität für diese Waffen hängt maßgeblich von wichtigen Hightech-Komponenten wie Steuerungssystemen und Triebwerken ab, die ausschließlich im Westen gefertigt werden und deren Produktionsrate nicht leicht und schnell gesteigert werden kann. Die Herstellung dieser Komponenten wäre für die Ukraine nach dem Maidan von 2014 selbst in Friedenszeiten eine unüberwindbare Herausforderung gewesen – und erst recht nicht unter den ständigen Bombardements auf Rüstungsanlagen. Dies muss klar verstanden werden, um künftige Missverständnisse über die Herkunft der Marschflugkörper zu vermeiden: Europa könnte Dutzende weitere dieser Waffen an die Ukraine liefern, vielleicht sogar einige Hundert – doch sie alle wären auf jeden Fall europäischen Ursprungs. Natürlich könnten neue Etiketten an den Komponenten angebracht werden – als Erinnerung an die „Lizenz“.
Das Gleiche gilt für andere Produkte, für die die Franzosen Kiew Lizenzen versprochen haben – die gelenkten Bomben vom Typ AASM Hammer und die Aster-Flugabwehrraketen. Hinzu kommt das schier unermessliche Korruptionspotenzial: Die Ausrede „Wir hatten gerade die Produktion vorbereitet, und die schrecklichen Moskals haben uns alles zerbombt“ lässt sich immer wieder verwenden.
Zweitens fürchtet Europa offensichtlich noch immer eine direkte Konfrontation mit Russland – hofft aber dennoch, durch solche Ausweichtaktiken gleichzeitig das Kiewer Regime weiter mit Waffen zu versorgen und sich selbst aus dem Konflikt heraushalten zu können. Diese Illusion ist gefährlicher als alle anderen – doch um sie zu zerstreuen, reichen Worte allein nicht mehr aus.
Es bieten sich zahlreiche Handlungsmöglichkeiten: Sie reichen von der Aufnahme europäischer Politiker auf Reisen in die Ukraine in die Liste der Ziele für russische Angriffe im ukrainischen Hinterland bis hin zum Abfangen westlicher Aufklärungsflugzeuge über dem Schwarzen Meer.
Übersetzt aus dem Russischen.
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