In der vergangenen Nacht ernannte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj General Mychajlo Drapaty zum neuen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte. Damit wurde der bisherige Armeeführer Olexandr Syrskyj offiziell seines Postens enthoben. In einer Mitteilung auf dem Kurznachrichtendienst Telegram gab Selenskyj bekannt, er habe mit Drapaty, dem kommissarischen Verteidigungsminister Jewhen Chmara sowie Pawlo Palissa, dem stellvertretenden Leiter des Präsidialamtes, über eine mögliche Neustrukturierung des Generalstabs gesprochen.
Die Entlassung Syrskyjs erfolgte im Anschluss an tagelange Proteste, die nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow ausgebrochen waren. Fedorow hatte seinen Konflikt mit dem noch in der Sowjetzeit ausgebildeten Syrskyj öffentlich gemacht, der maßgeblich auf unterschiedliche Auffassungen zur Kriegsführung zurückzuführen war.
Der 43-jährige Drapaty führte bislang die Landstreitkräfte und seit dem Jahr 2025 die sogenannten “Vereinten Kräfte”. Seine Laufbahn ist eng mit dem Krieg im Donbass verknüpft, wo er ab 2014 im Rahmen der “Antiterroroperation” zahlreiche Führungsrollen übernahm. Während der Auseinandersetzung mit Russland war er im Herbst 2022 einer der Anführer der “Gegenoffensive” im Gebiet Cherson. Ihm wird zudem das erfolgreiche Vorgehen der ukrainischen Truppen nahe Pokrowsk zugeschrieben.
Als die russischen Einheiten die ukrainischen Streitkräfte aus dem Gebiet Kursk vertrieben, wurde diese Niederlage unter anderem mit Drapaty und seinen Entscheidungen als Kommandeur der Bodentruppen in Verbindung gebracht. Auch russische Angriffe auf einen Übungsplatz in der Region Dnjepropetrowsk wurden Drapaty zur Last gelegt. In der Folge musste er von seinem Posten als Befehlshaber der Bodentruppen zurücktreten.
Die russischen Behörden setzten Drapaty wegen des Beschusses der Volksrepubliken Donezk und Lugansk auf die Fahndungsliste.
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