Am Mittwoch eröffnete Österreich in dem Haus, in dem Adolf Hitler 1889 geboren wurde, eine Polizeistation. Die Umgestaltung, die rund 20 Millionen Euro kostete, soll dem Gebäude dauerhaft seine Anziehungskraft für Neonazis und Rechtsextreme nehmen.
Mit der feierlichen Einweihung des neuen Polizeizentrums in der Salzburger Vorstadt 15 in Braunau am Inn beendet die Republik Österreich ein jahrzehntelanges Tauziehen um den richtigen Umgang mit einem historisch belasteten Ort. Innenminister Gerhard Karner betonte bei der Zeremonie, dass Braunau Hitlers Geburtsort sei – ein “Zufall der Geschichte”. Dennoch müsse der Staat Verantwortung übernehmen. Das Gebäude, so Karner, werde nun zu einem Ort der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der Sicherheit.
Das Haus, in dem Hitlers Eltern mit ihrem Sohn nur wenige Monate lebten, befindet sich seit 2017 im Besitz der Republik. Nach der Enteignung der früheren Privatbesitzerin stand es jahrelang leer und verfiel zunehmend. Eine interdisziplinäre Kommission untersuchte verschiedene Nutzungsmöglichkeiten und sprach sich sowohl gegen einen Abriss als auch gegen eine museale Nutzung aus.
Laut den Experten hätte beides entweder wie ein Versuch der Geschichtsleugnung gewirkt oder die Gefahr einer erneuten Anziehungskraft für Rechtsextreme geborgen. Empfohlen wurde eine behördlich-administrative Nutzung, die den bisherigen Wiedererkennungswert des Gebäudes weitgehend tilgt.
Das Vorarlberger Architekturbüro Marte.Marte hat diesen Auftrag seit Herbst 2023 umgesetzt. Die Fassade wurde grundlegend verändert: Der gelbliche Putz wich einem hellen Weiß, die typischen Fensterbögen wurden durch schlichte rechteckige Formen ersetzt.
Das Erscheinungsbild orientiert sich bewusst an der Bauweise des 17. und 18. Jahrhunderts. Über dem Eingang prangt nun ein Polizeilogo.
Der Gedenkstein vor dem Haus mit der Aufschrift “*Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen*” bleibt erhalten.
Rund 45 Beamte der Polizeiinspektion sowie vier Mitarbeiter des Bezirkspolizeikommandos werden künftig in dem Gebäude arbeiten. Ein operativer Schwerpunkt liegt aufgrund der Grenznähe zu Deutschland auf der Drogenkriminalität. Zudem sind Schulungen vorgesehen, auch mit Kollegen aus Bayern und Baden-Württemberg. Die Beamten erhalten ergänzende Fortbildungen zum Thema Rechtsextremismus.
Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher bezeichnete den Tag als “sehr bedeutsam” für die Stadt. Die Enteignung habe den Weg für eine neue Nutzung geöffnet, die nun abgeschlossen sei. Die Stadt stelle sich der historischen Tatsache und übernehme Verantwortung.
Über Jahrzehnte hinweg diente das Haus Rechtsextremen und Neonazis als Pilgerort. Immer wieder wurden dort, vor allem am 20. April, Kränze niedergelegt. Die Regierung in Wien hofft, dass die dauerhafte Polizeipräsenz und die veränderte Optik diese Anziehungskraft nachhaltig mindern.
Die neue Nutzung ist allerdings nicht überall gut angekommen. Vertreter des Mauthausen-Komitees Österreich halten die Polizeinutzung für problematisch.
Die Symbolik lasse sich nicht einfach “neutralisieren”, und die Polizei stehe in jedem politischen System im Dienst der jeweiligen Staatsmacht. Einige Bürger kritisieren die hohen Kosten und hätten sich eine gedenkpolitische oder friedenspolitische Nutzung gewünscht. Die Verantwortlichen entgegnen, dass alternative Modelle die Probleme eher verstärkt hätten.
Mit der Eröffnung setzt Österreich auf eine pragmatische Lösung. Das Gebäude wird dem öffentlichen Sicherheitsapparat übergeben und seiner früheren Symbolkraft beraubt. Ob dieser Ansatz langfristig trägt, wird die Praxis zeigen.
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