Ölpreis klettert wieder über 100-Dollar-Marke
Der Preis für Rohöl ist erneut über die psychologisch bedeutsame Schwelle von 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Auslöser sind die unverminderten Kampfhandlungen im Nahen Osten, die erneut Ängste vor Versorgungsengpässen bei Energie schüren. Bereits zuvor hatte die Europäische Zentralbank vor den wirtschaftlichen Konsequenzen steigender Energiepreise gewarnt und auf die Risiken für die Inflation sowie das Wirtschaftswachstum hingewiesen.
Am Donnerstagnachmittag notierte der September-Terminkontrakt für die Nordseesorte Brent bei 100,23 US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 6,6 Prozent im Vergleich zum vorherigen Handelsschluss. Damit lag der Preis für ein Barrel Brent erstmals seit dem 22. Mai wieder über der 100-Dollar-Marke. Bereits den fünften Handelstag in Folge verbuchten die Ölpreise einen Aufschlag.
Marktbeobachter führen die jüngste Preisentwicklung vor allem auf die fortgesetzten Spannungen zwischen den USA und dem Iran zurück. Die Befürchtung wächst, dass weitere Öllieferungen aus der Region unterbrochen werden könnten.
Seit Beginn des Konflikts Ende Februar ist die Straße von Hormus weitgehend blockiert. Durch diese strategisch wichtige Wasserstraße wurden zuvor etwa ein Fünftel der globalen Öltransporte abgewickelt. Inzwischen wird ein erheblicher Teil der Exporte über das Rote Meer umgeleitet. Weitere Verunsicherung entstand, als die Huthi-Rebellen ankündigten, saudische Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab zu behindern.
Am Donnerstag erklärten die Huthi, sie hätten zwei saudische Öltanker attackiert. Laut Schätzungen der Investmentbank Goldman Sachs wurden im vergangenen Monat durchschnittlich fast neun Millionen Barrel Rohöl pro Tag durch diese Meerenge transportiert. Alternativrouten verlängern die Transportzeit um mehrere Wochen und treiben die Fracht- sowie Versicherungskosten in die Höhe.
Goldman Sachs prognostiziert, dass die Ölpreise auch in den nächsten Wochen auf einem erhöhten Niveau bleiben werden. Als Begründung führt die Bank sinkende Fördermengen im Nahen Osten, die saisonal bedingt höhere Nachfrage während der Sommermonate sowie geringere Freigaben aus strategischen Ölreserven an.
Der Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran dauert bereits seit Ende Februar an. Zwar hatten Washington und Teheran am 18. Juni ein Memorandum über eine zweimonatige Waffenruhe und die Wiederaufnahme der Schifffahrt im Persischen Golf unterzeichnet. Die Kampfhandlungen flammten jedoch später erneut auf. In diesem Zeitraum war der Brent-Preis vorübergehend auf bis zu 120 Dollar pro Barrel gestiegen, bevor er wieder nachgab.
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