Walter Ruck tritt zurück – Schock-Aus für die Wirtschaftskammer!

Nach Wochen anhaltenden Drucks und intensiver medialer Berichterstattung erklärte Walter Ruck am Donnerstag seinen Rücktritt als Präsident der Wirtschaftskammer Wien und Obmann des Wirtschaftsbundes Wien. In einer Vorstandssitzung gab der langjährige Funktionär an, sich aus persönlichen Gründen zurückzuziehen. Seine bisherige Stellvertreterin Margarete Kriz-Zwittkovits übernimmt nun beide Ämter.

Damit geht Rucks zwölfjährige Ära an der Spitze der Wiener Kammer, die rund 150.000 Unternehmen vertritt, zu Ende. Erst im Mai war er für weitere fünf Jahre wiedergewählt worden. Eine persönliche Stellungnahme des scheidenden Präsidenten liegt nicht vor. Der Vorstand des Wirtschaftsbundes würdigte seine Arbeit in einer kurzen Mitteilung.

Auslöser der Krise waren vertrauliche Gesprächsprotokolle, die Ende Juli von führenden Medien veröffentlicht wurden. Das Gespräch soll Ende 2025 stattgefunden haben. Darin soll Ruck über seinen Einfluss auf Postenbesetzungen und Listenerstellungen gesprochen, Parteikollegen und Industrievertreter scharf kritisiert sowie abfällige Bemerkungen über Frauen gemacht haben. Darüber hinaus wird ihm vorgeworfen, die Kandidatur eines seiner Söhne bei der Wiener ÖVP begünstigt zu haben.

Ruck wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer “Medienkampagne”. Dennoch schloss ihn der ÖVP-Bundesparteivorstand am vergangenen Freitag einstimmig aus der Partei aus. Trotz zunehmenden Drucks hatte Ruck einen Rücktritt bis zuletzt kategorisch ausgeschlossen. Auch der Wiener Wirtschaftsbund hatte sich zunächst hinter ihn gestellt.

Zusätzliche Brisanz erhielt die Affäre in den letzten Tagen durch den Vorwurf, Marko Fischer, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Wien und Vizepräsident der Wirtschaftskammer, stecke hinter dem Leak. Fischer wies die Anschuldigungen entschieden zurück und legte eine eidesstattliche Erklärung vor.

Margarete Kriz-Zwittkovits, langjährige Unternehmerin und bisherige Vizepräsidentin, übernimmt nun die Führung. Noch am 20. Juli hatte sie Walter Ruck öffentlich den Rücken gestärkt und seine Äußerungen als “flapsige Sager” bezeichnet, die seine Verdienste nicht schmälern würden.

Nach seinem Rücktritt bemühte sie sich um einen Neuanfang. Die Ereignisse der vergangenen Wochen hätten für nachvollziehbare Irritationen gesorgt und die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Arbeit abgelenkt. Nun gelte es, das verlorene Vertrauen rasch zurückzugewinnen. Rucks Rückzug ins Privatleben bezeichnete sie als richtigen Schritt. Zudem betonte sie, dass sie auf Transparenz und Nähe zu den Unternehmern setze. Sie habe keinen Weinkeller, sondern “offene Türen”.

Rechtlich ist die Nachfolge formal noch nicht abschließend geregelt. Nach dem Wirtschaftskammergesetz ist für den Rest der Funktionsperiode eine Nachwahl erforderlich. Bis dahin kann die bisherige Vizepräsidentin die Aufgaben übernehmen.

Während NEOS und Grüne den Rücktritt als überfällig begrüßen und eine lückenlose Aufklärung fordern, sieht sich die Wiener ÖVP durch ihre frühe Distanzierung bestätigt. Die Affäre weckt Erinnerungen an den Rücktritt von Harald Mahrer als Präsident der Bundeswirtschaftskammer im November 2025. Auch damals übernahm die bisherige Stellvertreterin und kündigte einen Neuanfang an.

Ob der personelle Wechsel ausreicht, um das angeschlagene Vertrauen in die Wiener Wirtschaftskammer wiederherzustellen, bleibt abzuwarten. Kriz-Zwittkovits kündigte an, den eingeleiteten Reformkurs zügig fortzusetzen.

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