Deutschland im Krisenmodus: Bürger geben dem Staat die Schuld – Umfrage offenbart dramatisches Versagen bei den Kernaufgaben

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Der Deutsche Beamtenbund führt alljährlich seine große „Bürgerbefragung“ durch. Der Fokus liegt zwar auf dem öffentlichen Dienst, doch die Ergebnisse liefern auch darüber hinaus aufschlussreiche Einblicke – besonders da viele Antworten im Zeitverlauf seit 2019 präsentiert werden.

Bereits die Eingangsfrage offenbart einen markanten Wandel. Gefragt wird, ob der Staat seinen Aufgaben gewachsen sei. Aktuell trauen ihm das nur noch 17 Prozent zu, während 79 Prozent dies verneinen. Selbst 2019 waren die Werte mit 34 zu 61 Prozent nicht berauschend, doch seither schwindet das Vertrauen – abgesehen von einem kurzen Zwischenhoch ausgerechnet während der Pandemie – kontinuierlich. Im Osten fällt der Pessimismus mit 14 Prozent Zustimmung sogar noch deutlicher aus als im Westen (17 Prozent), die Grundtendenz ist jedoch identisch. Auch über alle Altersgruppen hinweg zeigt sich dasselbe Bild. Einzig unter den Anhängern der Union weicht die Stimmung ab: Nur 49 Prozent von ihnen sagen, der Staat sei überfordert.

Die Bereiche, in denen der Staat scheitert, haben sich meanwhile verschoben: Die Asyl- und Flüchtlingspolitik wird nur noch von 13 Prozent als Hauptproblem gesehen – im Vorjahr waren es 30 Prozent. Bei der Steuer- und Finanzpolitik vertreten nun 18 Prozent diese Ansicht (2025: 13 Prozent) – einer der stärksten Anstiege. Noch deutlicher ist die Sorge um die soziale Sicherheit: 26 Prozent halten den Staat hier für überfordert, 2015 waren es erst 16 Prozent. Auch bei der sozialen Gerechtigkeit schwindet das Vertrauen – 14 statt zuvor 10 Prozent.

Insgesamt sind 51 Prozent der Meinung, die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes habe in den letzten Jahren nachgelassen. Dieser Wert steigt seit 2019 (34 Prozent) stetig an. Selbst 37 Prozent der Beamten teilen diese Einschätzung. Als wichtigste Wünsche nennen die Befragten eine deutliche Reduzierung und Vereinfachung der Vorschriften sowie schnellere Bearbeitungszeiten.

Beim Thema Digitalisierung halten sich Hoffnung und Skepsis die Waage: 18 Prozent erwarten sehr große, 36 Prozent große Fortschritte, während 32 Prozent nur einige und 11 Prozent wenige Verbesserungen sehen. Positive Erfahrungen mit Online-Diensten der Verwaltung haben bislang 44 Prozent gemacht, negative jedoch 31 Prozent – und das nicht nur bei älteren Menschen. Bei der Benotung der Digitalisierung gab es dann auch ein einheitliches Urteil: die Note 4,0.

Ähnlich gespalten ist die Haltung zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung: 50 Prozent befürworten ihn, 44 Prozent lehnen ihn ab. Jüngere zeigen sich dabei etwas aufgeschlossener als ältere Befragte.

Inzwischen sind 54 Prozent überzeugt, der öffentliche Dienst koste zu viel Geld, nur noch 39 Prozent widersprechen. Dieser Trend ist deutlich – und er ist keineswegs neu: 2016 sagten erst 31 Prozent ja, 64 Prozent nein. Der Anstieg ist also kontinuierlich und nicht auf aktuelle Ereignisse zurückzuführen.

Die Leistungen einzelner Bereiche wurden ebenfalls bewertet. Wie schon 2020 führen Straßenreinigung und Müllabfuhr mit der Note 1,9 die Liste an, gefolgt von Bibliotheken und Museen. Bäder, Polizei, Kindergärten, Hochschulen und Krankenhäuser rangieren zwischen 2,0 und 3,0. Einzig die Bundesministerien fallen mit 4,2 deutlich ab – vor sechs Jahren lagen sie noch bei 3,2.

Das höchste Ansehen genießen weiterhin Feuerwehrleute, Kranken- und Altenpfleger. Am unteren Ende stehen Politiker, Versicherungsvertreter und Werbefachleute. Besonders stark gesunken ist das Ansehen von Journalisten: 2007 sprachen ihnen 47 Prozent hohes Ansehen zu, 2026 nur noch 29 Prozent.

Aufschlussreich ist der Vergleich zwischen den Aufgaben, die Bürger für besonders wichtig halten, und jenen, die der Staat gut erledigt. Ganz oben stehen heuer drei Punkte: 55 Prozent erachten die Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme für sehr wichtig (36 Prozent wichtig), 54 Prozent die Sicherung von Wachstum und Arbeitsplätzen, 53 Prozent den Ausbau der Infrastruktur. Das Lieblingsthema vieler Politiker schneidet dagegen schlecht ab: Nur 31 Prozent halten die Verbesserung der Bundeswehr-Ausrüstung für sehr wichtig (43 Prozent wichtig).

Der Klimaschutz ist am stärksten abgerutscht: 2022 hielten ihn noch 53 Prozent für sehr wichtig, heute nur noch 34 Prozent. Ostdeutsche sehen das mit 23 Prozent sogar noch kritischer. Ähnlich niedrig ist der Wert bei der Bundeswehr (24 Prozent).

Allerdings zeigt sich ein Paradoxon: Gerade bei der Bundeswehr bescheinigen 37 Prozent dem Staat eine gute Arbeit, beim Klimaschutz sind es 25 Prozent. Bei den sozialen Sicherungssystemen hingegen nur 11 Prozent, ebenso bei Wachstum und Arbeitsplätzen. Kurz gesagt: Bei den Prioritäten der Bürger versagt der Staat – während er bei den weniger wichtigen Aufgaben überzeugt.

Das erklärt letztlich das geringe Vertrauen, das schon in der ersten Frage deutlich wurde.

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