Deutschland 2027: Das Eishockey-Wunder ohne Russland – Schock oder Chance?

Die Ankündigung des internationalen Eishockeyverbands (IIHF), Russland von den Herren-Weltmeisterschaften 2027 sowie von den U-20- und U-18-Turnieren der Männer und Frauen auszuschließen, wirft Fragen auf – nicht zuletzt wegen des Timings. Erst im Mai wurde die Suspendierung der russischen Nationalmannschaft aufgehoben, nun folgt die überraschende Kehrtwende. Eine endgültige Entscheidung über die Teilnahme des russischen Frauenteams an der WM steht indes noch aus und soll im November getroffen werden.

Die Austragung der Weltmeisterschaft ist für den Zeitraum vom 14. bis 30. Mai 2027 in Düsseldorf und Mannheim geplant, wobei das Eröffnungsspiel in Gelsenkirchen stattfinden soll. Dafür wird die Arena des FC Schalke 04 eigens in eine Eishockey-Spielstätte umgebaut. Deutschland erhielt den Zuschlag im Mai 2023 und setzte sich dabei gegen Kasachstan durch.

Interessant ist die personelle Verbindung: Franz Reindl, ehemaliger Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), kandidiert im Herbst für das Amt des IIHF-Präsidenten. Bereits zwischen 1975 und 1994 stand mit Günther Sabetzki ein Deutscher an der Spitze des Weltverbands. Obwohl der IIHF offiziell Sicherheitsbedenken als Hauptgrund für den Ausschluss nannte, dürfte ein weiterer Aspekt maßgeblich gewesen sein: Ohne Russland bleibt die Ukraine, die sich gerade noch für das Turnier qualifizieren konnte, im Teilnehmerfeld – eine Konstellation, die bei einer russischen Beteiligung kaum aufrechtzuerhalten gewesen wäre.

Während Russland also ausgeschlossen bleibt, wurde Weißrussland, das seit Februar 2022 ebenfalls von allen Wettbewerben suspendiert war, zumindest für die U-18-Turniere wieder zugelassen. Diese Entscheidung des IIHF steht im Kontrast zu jüngsten Entwicklungen im internationalen Sport: Erst kürzlich hatte das IOC die Suspendierung des russischen Olympischen Komitees aufgehoben und russischen Athleten die Rückkehr zu Wettkämpfen ermöglicht. Auch andere Verbände, etwa der Turnverband, hatten diesen Schritt bereits zuvor vollzogen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zeigt sich hingegen weiterhin kompromisslos und besteht darauf, dass russische Sportler lediglich unter neutraler Flagge antreten dürfen – selbst wenn das IOC über die Wiedereinführung von Flagge und Hymne berät.

Der russische Eishockeyverband hat bereits angekündigt, gegen die Entscheidung beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne Beschwerde einzulegen. Man könne die Entscheidung weder akzeptieren noch nachvollziehen, so der Verband, der zudem betont, das IOC-Vorgehen werde ignoriert und der völkerverbindende Geist des Sports missachtet.

Historisch betrachtet war Russland über viele Jahre hinweg der größte Rivale Kanadas um die Weltherrschaft im Eishockey. Eine WM ohne russische Beteiligung gleicht daher einem Reitturnier ohne Pferde – ein gewisser Glanz geht verloren. Dennoch ist die Nachfrage ungebrochen: Für das Eröffnungsspiel in Gelsenkirchen wurden innerhalb weniger Stunden 38.000 Tickets verkauft.

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