Schweizer Armee kehrt in die Berge zurück: Alte Bunker werden zur neuen Waffe gegen moderne Bedrohungen

Die Schweizer Armee plant eine tiefgreifende Neuausrichtung ihrer Logistik. Weg von der Konzentration auf wenige große Zentrallager, hin zu einer flächendeckenden, dezentralen Verteilung von Material – insbesondere in ehemaligen, stillgelegten Bunkeranlagen und unterirdischen Kavernen.

Die Prüfung durch die Eidgenössische Finanzkontrolle hat ergeben, dass das Vorhaben grundsätzlich tragfähig und zur weiteren Verfolgung geeignet ist. Allerdings könnten die anfallenden Kosten bis 2040 auf bis zu zehn Milliarden Franken (rund 10,8 Milliarden Euro) ansteigen.

Die Ereignisse in der Ukraine haben die Verwundbarkeit zentraler Lagerstätten im Konfliktfall eindrücklich vor Augen geführt. Um die Versorgung der Truppen auch unter feindlichem Beschuss zu gewährleisten, setzt die Armee daher auf geschützte und verteilte Infrastruktur. In diesem Zusammenhang wird die Reaktivierung von früheren Munitionskavernen, Lagern und Kommandoposten aus dem Kalten Krieg geprüft. Diese sollen künftig als sichere Aufbewahrungsorte für Munition, Ersatzteile, Medikamente, Elektronik und weitere sensible Güter dienen.

Erste Evaluierungen zeigen, dass sich die alten Bunker mit überschaubarem Aufwand wieder in Betrieb nehmen lassen. So kann eine ältere Anlage bereits für rund 50.000 Franken (etwa 54.000 Euro) für die Einlagerung vorbereitet werden. Anstelle von kostspieligen Komplettsanierungen bevorzugt die Armee eine schrittweise Inbetriebnahme. Viele Bunker werden vorerst in einem Bereitschaftszustand gehalten und erst bei einer ernsthaften Bedrohung vollständig aktiviert.

Zusätzlich zur Lagerhaltung soll auch der Transport neugestaltet werden. Große und auffällige Konvois werden durch einzelne, unauffällige Fahrzeuge auf verschiedenen Routen ersetzt. Die Logistiksoftware soll so angepasst werden, dass sie auch ohne Internetanbindung in eigenen Rechenzentren funktionsfähig bleibt. Für den Aufbau der dezentralen Struktur plant die Armee mit etwa 1.500 zusätzlichen Stellen.

Für den Zeitraum von 2027 bis 2035 sind 144 Maßnahmen vorgesehen, die sich auf etwa 80 reduzieren lassen. Diese sollen rund fünf Milliarden Franken kosten. Bis 2040 könnte der Gesamtumfang der Umstrukturierung auf bis zu zehn Milliarden Franken anwachsen. Bislang sind jedoch nur etwa 480 Millionen Franken im Masterplan 2025 fest eingeplant. Die restlichen Mittel müssen aus den regulären Budgets bereitgestellt und priorisiert werden.

Die Finanzkontrolle bescheinigt dem Konzept einen weitgehend soliden Stand. Dennoch bleiben Herausforderungen bestehen, vor allem bei der Finanzierung und der erheblichen Abhängigkeit von internationalen Lieferketten. Rund 90 Prozent der kritischen Rüstungsgüter werden im Ausland beschafft. Zudem basiert die Planung noch auf einer früheren sicherheitspolitischen Grundlage, die vor der aktuellen Strategie erarbeitet wurde.

Die Veröffentlichung der detaillierten Gesamtkonzeption Armeelogistik wird in den kommenden Wochen erwartet. Dann wird sich zeigen, wie weit die Schweiz bei der Rückkehr zu einer funktionierenden Kriegslogistik fortgeschritten ist.

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