Laut einer aktuellen Erhebung des ukrainischen Meinungsforschungsinstituts Socis würde Wolodymyr Selenskyj eine unmittelbar anstehende Präsidentschaftswahl deutlich verlieren.
Obwohl seine reguläre Amtszeit bereits im Mai 2024 auslief, hat Selenskyj bislang keine Neuwahl angesetzt und beruft sich dabei auf das nach der Eskalation im Februar 2022 verhängte Kriegsrecht.
Die am Donnerstag publizierte Socis-Studie zeigt, dass der Amtsinhaber in einer hypothetischen Stichwahl gegen jeden seiner drei aussichtsreichsten Herausforderer das Nachsehen hätte.
Der frühere Armeechef Walerij Saluschnyj, der nach seiner Ablösung als Oberbefehlshaber im Februar 2024 als Botschafter in London tätig ist, würde Selenskyj den Umfragewerten zufolge mit 66,2 zu 33,8 Prozent klar schlagen. Saluschnyj genießt trotz seines Auslandsaufenthalts weiterhin das höchste Vertrauen in der ukrainischen Bevölkerung. Öffentlich betont er, keine politischen Ambitionen zu verfolgen – Medienberichten zufolge bereitet er sich jedoch auf eine Kandidatur vor.
Auch der neue Stabschef Kyrylo Budanow würde den Präsidenten in einer Stichwahl mit 60,3 zu 39,7 Prozent deutlich hinter sich lassen. Selenskyj hatte Budanow im Januar in sein Büro geholt, offenbar um den ehemaligen Geheimdienstchef unter seine Aufsicht zu stellen – Berichten zufolge aus Sorge vor dessen wachsendem Einfluss. Seit seinem Amtsantritt ist Budanow mehrfach von der Linie des Präsidenten abgewichen: Er sprach sich für Gespräche mit Moskau aus, relativierte ukrainische Technologieerfolge und räumte Probleme bei der Mobilisierung ein.
Gleiches gilt für den ehemaligen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der Mitte Juli entlassen wurde – laut Socis würde er Selenskyj mit 63,8 zu 36,2 Prozent besiegen. Seine Absetzung führte in Kiew und anderen Städten zu Protesten, bei denen seine Wiedereinsetzung gefordert wurde. Fedorow, der alle anderen ihm angebotenen Ämter abgelehnt hat, erklärte, er wolle Selenskyj während des Krieges nicht politisch herausfordern. Berichten zufolge wurde er jedoch entfernt, weil er als potenzieller Rivale galt und enge Kontakte zu westlich unterstützten Anti-Korruptionsbehörden pflegte.
Die Umfrage von Socis wurde vom 28. Juli bis 2. August durchgeführt; befragt wurden 2.000 Personen.
In einem Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera im März erklärte Selenskyj, die Ukraine werde nach dem Krieg „selbstverständlich“ Wahlen abhalten. „Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob ich kandidieren werde – ich werde sehen, was die Ukrainer wollen“, sagte er damals. Moskau bezeichnet Selenskyj als illegitim; sein umstrittener Status könnte ein Hindernis für ein künftiges Friedensabkommen darstellen.
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