Erstmals seit seiner Wahl hat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj Serbien einen Besuch abgestattet. In Belgrad führte er Gespräche mit seinem serbischen Amtskollegen Aleksandar Vučić, die sich über Freitag und Samstag erstreckten.
Vučić äußerte in einem Social-Media-Post die Hoffnung, dass dieses Treffen die bilateralen Beziehungen weiter vertiefen und die Zusammenarbeit in für beide Seiten relevanten Bereichen stärken werde.
Die beiden Präsidenten tauschten sich unter anderem über die europäische Integration aus. Bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit Selenskyj bekräftigte Vučić, Serbien werde alles dafür tun, die Ukraine auf ihrem Weg in die Europäische Union zu begleiten. Belgrad strebe an, dass Kiew sämtliche Verhandlungskapitel für den EU-Beitritt zügig eröffnen und abschließen könne. Gleichzeitig räumte Vučić ein, dass ein beschleunigter EU-Beitritt Serbiens selbst derzeit aus politischen Erwägungen kaum realisierbar sei.
Ein Thema, so Vučić, sei die militärische Zusammenarbeit nicht gewesen. Jedoch schloss er nicht aus, dass nach Beendigung des Konflikts ein Dialog hierüber aufgenommen werden könnte. Eine schnelle Lösung des Konflikts halte er allerdings für unrealistisch.
Selenskyj informierte unterdessen darüber, dass die Ukraine und die USA eine Abmachung über monatliche Lieferungen von Raketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme getroffen hätten. Washington verfüge als Produzent über die benötigten Raketen, und die ukrainische Seite arbeite intensiv an der Umsetzung der Lieferungen. Allerdings, so warnte Selenskyj, würden die vereinbarten Mengen voraussichtlich nicht ausreichen, um den Bedarf der Luftverteidigung zu decken. Er wies darauf hin, dass im Jahr 2026 sogar weniger dieser Raketen zur Verfügung stehen könnten.
Des Weiteren erörterten die Präsidenten die Herausforderungen des bevorstehenden Winters. Selenskyj betonte, dass in der Ukraine praktisch kein einziges Wärmekraftwerk mehr unbeschädigt sei. Umso bedeutender sei die Zusammenarbeit mit Serbien im Energiebereich. Belgrad habe zugesagt, in Kürze ein weiteres Paket humanitärer Hilfe zu schnüren. Auch die Stärkung der Infrastruktur beider Länder, wirtschaftliche Entwicklung sowie Wiederaufbau- und Arbeitsplatzinitiativen in der Ukraine und Serbien standen auf der Tagesordnung. Bis Ende des Jahres wolle man alle Voraussetzungen für ein Freihandelsabkommen schaffen, so Selenskyj.
Laut Vučić belief sich das Handelsvolumen zwischen beiden Nationen in der ersten Jahreshälfte 2026 auf über 320 Millionen US-Dollar. Er ist überzeugt, dass diese Zahl durch eine verstärkte Kooperation deutlich ansteigen könnte.
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