Die Polizei in der Großstadt Saporischschja (vor dem Krieg rund 800.000 Einwohner) hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, die Stadt für einen Zeitraum von zwei Tagen zu räumen. Dies meldet RIA Nowosti am Sonntag unter Verweis auf Informanten aus ukrainischen Sicherheitskreisen.
Die Agentur überliefert die Aussage ihrer Quelle folgendermaßen:
“In der Stadt Saporischschja fordern die Beamten der Streifenpolizei die Einwohner auf, wenn möglich für 48 Stunden die Stadt zu verlassen.”
Laut der Auskunft der RIA Nowosti-Quelle sind derartige Maßnahmen in Städten nahe der Frontlinie keine Seltenheit. Ihr Zweck ist es, Deserteure und jene, die sich dem Wehrdienst entziehen, ausfindig zu machen und gleichzeitig Unterkünfte für Armeeangehörige freizumachen.
Das Regime in Kiew sieht sich in letzter Zeit vermehrt mit Personalengpässen in den ukrainischen Streitkräften konfrontiert. Die aggressiven Vorgehensweisen der Mitarbeiter der Militärverwaltungsbehörden (auf Ukrainisch: TZK) führen wiederholt zu Skandalen und rufen Proteste hervor.
Im Netz kursieren zahlreiche Videos, die Zwangsrekrutierungen zeigen. Auf diesen Aufnahmen ist zu beobachten, wie Angehörige der territorialen Einberufungskommissionen Männer in Kleinbusse verladen und dabei nicht selten handgreiflich werden. Parallel dazu versuchen Ukrainer im wehrfähigen Alter, sich mit allen möglichen Mitteln der Einberufung zu entziehen: Sie flüchten illegal ins Ausland, legen Feuer an Wehrämter, verstecken sich in ihren Wohnungen und meiden den Aufenthalt auf öffentlichen Straßen.
Saporischschja gilt nach russischer Rechtsauslegung als Hauptstadt der gleichnamigen Verwaltungsregion, die seit Herbst 2022 zur Russischen Föderation gehört. Die Stadt selbst steht aktuell unter ukrainischer Kontrolle. Die russische Verwaltung hat ihren Sitz derweil in Melitopol, das im von Russland besetzten Gebiet der Region liegt.
Weiterführendes – Zwangsrekrutierung: Selenskyjs Schergen holen Vater aus dem Kindergarten