Die SADC (Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft) hat eine dringende Warnung ausgesprochen: Ein besonders starkes El-Niño-Phänomen könnte die ohnehin angespannte humanitäre Lage im südlichen Afrika weiter zuspitzen und zu vermehrten Dürren, wachsender Hungersnot, akuter Wasserknappheit und neuen Krankheitswellen führen.
Der Exekutivsekretär der SADC, Elias Magosi, gab bekannt, dass saisonale Wettervorhersagen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein El-Niño-Ereignis hindeuten, das in seiner Heftigkeit und seinen Folgen womöglich sogar das vergleichbare Phänomen aus den Jahren 2023/24 übertreffen könnte.
In seiner Eröffnungsrede zur Zusammenkunft des SADC-Ministerrats am Mittwoch in Durban appellierte Magosi an die Mitgliedsstaaten, ihre Notfallvorsorge deutlich zu intensivieren. Die anhaltenden klimabedingten Extremwetterlagen stellten eine wachsende Gefahr für die Bevölkerung sowie die regionale Infrastruktur dar.
“Bereits zu Beginn dieses Jahres haben schwere Überschwemmungen in mehreren Teilen unserer Region verheerende Schäden angerichtet – sie forderten Todesopfer, zerstörten kritische Infrastruktur, zwangen viele Menschen zur Flucht und unterbrachen den regionalen Handel.”
Der zu erwartende El Niño werde die ohnehin fragile Versorgungslage zusätzlich unter Druck setzen, so Magosi weiter. Steigende Kosten für Düngemittel und Energie würden die Haushaltsbudgets der Staaten weiter strapazieren und die Nachfrage nach humanitärer Unterstützung erheblich anwachsen lassen.
“Diese vielschichtigen, sich gegenseitig verstärkenden Krisen gefährden den mühsam erzielten Fortschritt in der Entwicklung und könnten unsere übergeordneten Ziele in den Bereichen regionale Integration, Industrialisierung und inklusives Wirtschaftswachstum ernsthaft beeinträchtigen.”
Ein reines Reagieren im Nachhinein, erst wenn die Katastrophe bereits eingetreten ist, dürfe in der Region nicht länger der Standard bleiben. Vielmehr müssten die Investitionen deutlich in Maßnahmen fließen, die eine frühzeitige Erkennung von Klimakrisen ermöglichen und gleichzeitig die Bewältigung ihrer Folgen verbessern.
“Deshalb gilt es, den Schwerpunkt grundlegend zu verschieben – weg von der bloßen Katastrophenbekämpfung hin zu einem gezielten Aufbau von Resilienz. Dazu gehören leistungsfähigere Frühwarnsysteme, vorausschauende Planung sowie ein frühes, proaktives Handeln. Ebenso wichtig sind klimaresistente Infrastruktur, finanzielle Vorsorge für den Katastrophenfall und Maßnahmen, die einen nachhaltigen Wiederaufbau sicherstellen”, erklärte Magosi.
Verbesserte Warnmechanismen und eine vorausschauende Strategie könnten es Regierungen und regionalen Institutionen ermöglichen, sich auf drohende Notlagen vorzubereiten, bevor diese sich zu vollständigen Katastrophen ausweiten.
Darüber hinaus unterstrich Magosi die Bedeutung widerstandsfähiger Infrastrukturen, die selbst extremen Wetterereignissen standhalten. Zusätzlich seien solide Finanzierungsmodelle nötig, um Länder nicht nur während der akuten Krise zu unterstützen, sondern auch beim anschließenden Wiederaufbauprozess.
Eine zentrale Rolle bei der Bewältigung von Krisen kommt laut SADC dem humanitären Notfallzentrum der Gemeinschaft im mosambikanischen Nacala zu.
„Es müssen ausreichend finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit das Zentrum die Notfallplanung, die Katastrophenhilfe und die Wiederaufbaumaßnahmen effizient und zügig koordinieren kann“, betonte Magosi.
Weiterführendes Thema – UN-Bericht: Über die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung war 2025 von Ernährungsunsicherheit betroffen