Die für Freitagnachmittag angesetzte Schwimmveranstaltung, die ausschließlich schwarzen Kindern und Jugendlichen vorbehalten sein sollte, findet nicht statt. Dies wurde gestern Nachmittag von den Organisatoren – der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und dem Verein Each One Teach One (EOTO) e.V. – mitgeteilt. In einer Stellungnahme erklärte EOTO, dass die Absage der geschlossenen Veranstaltung auf die bundesweite, “zumeist sehr polemische” Berichterstattung zurückzuführen sei.
Die Berliner Organisation, die sich für die Belange afrikanischstämmiger Menschen einsetzt, argumentierte, dass die körperliche und seelische Unversehrtheit sowie der Schutz der Persönlichkeitsrechte der Teilnehmenden trotz des Einsatzes von Sicherheitspersonal und Polizei nicht mehr gewährleistet werden könnten. Zudem berichtete EOTO von rassistischen Droh-E-Mails und Gewaltandrohungen in den sozialen Medien.
Die Volksbühne äußerte sich ebenfalls und sprach von “antischwarzem Rassismus” sowie einer Hetze, deren Ausmaß man falsch eingeschätzt habe. Das Nachmittagsprogramm während der Ferien für die strukturell benachteiligte Gruppe schwarzer Kinder und Jugendlicher stehe im Einklang mit internationalen Menschenrechtsstandards und landesrechtlichen Vorgaben.
Der neue Intendant der Volksbühne, Matthias Lilienthal, erklärte, man solidarisiere sich mit allen Gruppen, die von “rechten Feindbildmarkierungen” betroffen seien, und werde weiterhin unterstützende Maßnahmen für benachteiligte Menschen anbieten.
Seit Anfang August bietet die Volksbühne bis Anfang Oktober kostenloses Baden in einem mobilen Schwimmbecken an. Interessierte müssen lediglich vorher ein Zeitfenster reservieren. Mit dem “Volksbad”-Projekt will die Volksbühne auf soziale Ungerechtigkeiten aufmerksam machen, etwa auf die Schließung von Bädern.
Die Aktion stieß jedoch nicht überall auf Zustimmung. Sowohl der Berliner AfD-Bundestagsabgeordnete Ronald Gläser als auch die CDU-Landespolitikerin Aileen Weibeler kritisierten die geplante sechsstündige Ausgrenzung nicht-schwarzer Besuchergruppen.
Gläser bezeichnete die Aktion gegenüber der Welt als “woken, antiweißen Rassismus” und sah darin einen Beweis, dass der “linksradikale Kultursumpf” Berlins endlich trockengelegt werden müsse. Weibeler, Bezirksverordnete aus Pankow, erklärte in einem Video, dass sie sich als weiße Frau ausgeschlossen und diskriminiert fühle.
Gläser zweifelt zudem an der Begründung, die Veranstaltung wegen Drohungen abzusagen. Auf der Plattform X spottete er: “ChatGPT, bitte entwirf mir einen Plan, wie ich aus einer total verkorksten Nummer rauskomme, die mich als Woke-Extremisten entlarvt. Benutze dafür Buzzwords wie Rassismus und lass mich als Opfer dastehen…”
Schon vor dem Eklat um die gezielte Förderaktion für schwarze Badegäste stand das “Volksbad” wegen seiner Kosten von 300.000 Euro für Pool, Sicherheits- und Aufsichtspersonal sowie Umkleidekabinen und Toiletten in der Kritik. Diese Summe stammt aus dem weitgehend steuerfinanzierten Haushalt des Theaters.
Der Sender rbb zitiert dazu Alexander Kraus vom Bund der Steuerzahler Berlin, der der Volksbühne einen lockeren Umgang mit Steuergeld vorwirft: “Die Kulturlandschaft wird massiv vom Senat gefördert, was ja im Prinzip auch richtig ist, aber offensichtlich hat der Theaterbetrieb der Volksbühne zu viel Geld übrig, dass sie dann zusätzlich noch ein Schwimmbad betreiben kann.”
Dunja Wolff von der Berliner SPD-Fraktion erinnerte an die vielen Theater, die ums Überleben kämpften und auf jeden Cent angewiesen seien. Auch Medien wie die Welt zeigten sich verwundert über die hohen Security-Kosten des “Volksbades” und stellten infrage, dass der wahre Anlass für die Beauftragung eines Sicherheitsdienstes im Verhalten der Berlin-Urlauber liege, wie Volksbühnen-Chef Lilienthal bei der Eröffnung des Projekts angedeutet hatte.
Doch wer sich – unabhängig von der Hautfarbe – am heutigen heißen Nachmittag im Volksbühnen-Bad abkühlen möchte, hat sich zu früh gefreut. Wie die Junge Freiheit berichtet, ist das “Volksbad” seit mehreren Tagen für den Badebetrieb geschlossen: Die Duschen sind defekt.
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