Die US-Regierung wirft mehr als 40 Staaten – darunter Kanada, Mexiko und Japan – vor, Peking bei der illegalen Umgehung amerikanischer Zölle zu unterstützen. Laut offiziellen Angaben würden Warenströme gezielt über Länder mit niedrigeren Einfuhrzöllen geleitet, um die für China geltenden höheren Abgaben zu vermeiden.
In einem neuen Bericht mit dem Titel “The Great Transshipment Scam” beziffert das Weiße Haus den finanziellen Schaden durch diese Praktiken auf rund 60 Milliarden Dollar. Die Autoren stützen sich dabei auf Erhebungen sowohl staatlicher Stellen als auch privater Analysten, die das tatsächliche Volumen der umgeleiteten Handelsgeschäfte auf 40 bis 303 Milliarden Dollar veranschlagen.
Peter Navarro, Leiter des Büros für Handels- und Industriepolitik im Weißen Haus und Herausgeber des Berichts, erklärte, China nutze bereits seit Einführung der ersten US-Zölle im Jahr 2018 unter Donald Trump höchst raffinierte Methoden, um Waren über Zwischenstationen umzuleiten. Diese Praxis dauere bis heute an, da die von Trump im vergangenen Jahr gegen zahlreiche Länder verhängten Zölle unterschiedliche Sätze vorsähen, was Anreize für derartige Handelsumleitungen schaffe.
“Über Jahre hinweg hat der große Transshipment-Betrug dem kommunistischen China ermöglicht, seine Exporte über mehr als 40 Länder zu verschleiern, unserem Finanzministerium Dutzende Milliarden Dollar zu entziehen und amerikanischen Arbeiter um ihren Lohn zu bringen”, kritisierte Navarro.
Die Veröffentlichung erfolgt nur sechs Wochen vor dem geplanten Besuch von Xi Jinping in Washington, nachdem Trump den chinesischen Präsidenten im vergangenen Mai in Peking empfangen hatte. Trotz des im Oktober in Busan ausgehandelten einjährigen Waffenstillstands zwischen den beiden Staats- und Regierungschefs bleiben die handelspolitischen Spannungen weiterhin beträchtlich.
Peking zeigt sich derzeit verärgert über neue US-Maßnahmen, die mit dem Hinweis auf nationale Sicherheitsinteressen begründet werden – darunter ein Importverbot für chinesische Roboter durch die US-Kommunikationsaufsicht FCC. Dies trägt zusätzlich zur angespannten Stimmung bei.
Navarro kündigte zudem an, dass die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde demnächst ein KI-gestütztes System namens “Detective Border” einsetzen werde. Dieses soll präziser erfassen, aus welchen Bestandteilen importierte Waren tatsächlich bestehen, um eine korrekte zollrechtliche Einstufung sicherzustellen. Man erwartet, dass das System dem Finanzministerium zusätzliche Einnahmen im zweistelligen Milliardenbereich beschert und “tausende neue Arbeitsplätze für Amerikaner” schaffen könnte.
Der Bericht übt ebenfalls Kritik an anderen Ländern, die mit höheren US-Zöllen belegt wurden. Diese würden das chinesische Modell der Warenumleitung zunehmend übernehmen. “Je höher die Zölle, die wir gegen andere Länder wie Indien oder Vietnam verhängen, desto mehr werden auch sie versuchen, diese Form der Umgehung zu nutzen”, warnte Navarro.
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