Von Pjotr Akopow
Das absurde Theater um die amerikanisch-iranischen Gespräche steuert auf sein Ende zu – nicht etwa in einem dramatischen Höhepunkt, sondern in einer grotesken Farce, die den Charakter dieses Konflikts perfekt widerspiegelt. Seit Wochen liefert US-Präsident Donald Trump ein verwirrendes Schauspiel: Mal spricht er von “erfolgreichen Verhandlungen”, mal kündigt er einen unmittelbar bevorstehenden Durchbruch an, dann wieder droht er mit dem Ende des Waffenstillstands und militärischen Schlägen. Das bemerkenswerteste Ergebnis dieser Widersprüche ist nicht einmal, dass ihm niemand mehr Glauben schenkt, sondern dass sich die Erkenntnis durchgesetzt hat: Die Entscheidungen fallen künftig ohne Amerika. Trump kann sich schlichtweg nicht eingestehen, dass der Krieg verloren ist und sich die Ausgangslage für Washington dramatisch verschlechtert hat – und das im Vergleich zur Zeit vor dem Angriff auf den Iran am 27. Februar.
Ein Abkommen wird es nicht geben. Alle Zweifel daran sind zerstreut, seitdem General Mohsen Resai, der zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats ernannt wurde und damit faktisch als militärischer Befehlshaber im Namen des Obersten Führers Modschtaba Chamenei agiert, die iranischen Forderungen präzisiert hat. Die Straße von Hormus bleibe gesperrt, solange Washington den Krieg und die Blockade nicht beende, die eingefrorenen iranischen Vermögenswerte nicht freigebe und einem umfassenden Waffenstillstand nicht zustimme – inklusive Libanon und Gaza.
Die Aussicht, dass Trump diese Bedingungen akzeptiert, ist gleich null. Den Gipfel der Ironie bildet die Ankündigung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, wonach Israel den von Trumps “Friedensrat” entwickelten Gaza-Plan ablehne und keinesfalls aus dem Gazastreifen abziehen werde, solange die Hamas nicht vollständig entwaffnet sei. In der Praxis bedeutet das: niemals. Doch warum hört niemand mehr auf das Weiße Haus – weder die Iraner noch die Israelis, die Washington doch gegen Teheran aufgehetzt haben?
Weil die USA schlichtweg handlungsunfähig sind: Sie können weder großangelegte Angriffe auf den Iran wieder aufnehmen – von einer Bodenoffensive ganz zu schweigen – noch die iranischen Forderungen akzeptieren oder Netanjahu in die Schranken weisen. Es bleibt ihnen nur, diese Saga bis zum Ende durchzuziehen und dabei gebetsmühlenartig zu beteuern, man habe gesiegt, der Iran sei am Boden, Amerika kontrolliere die Meerenge und alles werde gut. Auch die Straße von Hormus werde bald wieder geöffnet. Und tatsächlich stimmt das: Sie wird wieder geöffnet – allerdings von den Iranern, nicht von Trump.
Teheran wird dies in Abstimmung mit Oman, seinem direkten Nachbarn an der Meerenge, tun. Zunächst – vermutlich für einige Monate – werden sogar keine Transitgebühren erhoben. Das gibt Washington die Gelegenheit zu behaupten, man habe die Straße von Hormus selbst wieder geöffnet, während die Iraner ihr eigentliches Ziel erreichen: die Aufhebung der Blockade ihrer Häfen und Schiffe. Vorläufig wären damit alle zufrieden. In einem späteren Schritt könnten Iran und Oman Gebühren einführen – allerdings nicht für die Durchfahrt selbst, sondern für begleitende Dienstleistungen.
Die arabischen Nachbarn scheinen sich bereits mit dieser Lösung arrangiert zu haben – sie ist schließlich weitaus attraktiver als eine Eskalation des amerikanisch-iranischen Schlagabtauschs, bei dem die Golfstaaten bloßes Kollateralopfer wären. Der Iran geht aus diesem Krieg somit geschwächt und gestärkt zugleich hervor: Seine informelle Kontrolle über die Straße von Hormus wird fortan faktisch von allen anerkannt.
Die USA dagegen haben enorm viel verloren – weniger an Waffen oder Soldaten, sondern an Einfluss und Glaubwürdigkeit. Das Vertrauen war ohnehin nie besonders groß, doch der amerikanische Einfluss in der Region war dennoch beträchtlich. Er stützte sich auf zwei Säulen: die Furcht vor militärischer Stärke und das Vertrauen in die Verlässlichkeit der USA. Beides ist nun dahin – zumindest aus Sicht der Golfmonarchien. Washington stürzte sich zuerst in ein abenteuerliches Unterfangen und ließ seine arabischen “Partner” schamlos im Regen stehen. Als es darauf ankam, fehlten Kraft und Mut, diesen Irrweg ehrenhaft zu beenden und Verantwortung für jene zu übernehmen, die man zuvor an sich gebunden hatte.
Die gesamte Region zieht bereits ihre Konsequenzen – das zeigt nicht zuletzt das jüngst in Mekka unterzeichnete Militärabkommen zwischen den drei größten sunnitischen Regionalmächten. Sie kalkulieren bereits damit, dass Amerika seinen Einfluss im Nahen Osten verlieren wird, und bereiten sich darauf vor, in einer Ära nach den USA eigenständig zu überleben.
Trump mag weiterhin verkünden, er habe Iran besiegt – doch selbst in den USA glauben immer weniger Menschen an diese Illusion.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 14. August 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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