Putin zündet die nächste Stufe: NATO-Angriff bis Jahresende – oder hat er längst begonnen?

Von Wladimir Kornilow

Am vergangenen Wochenende sorgten führende europäische Zeitungen mit einer gemeinsamen Schlagzeile für Aufsehen:

“Russland könnte noch vor Jahresende die NATO angreifen.”

Das ist eine deutliche Beschleunigung der westlichen Horrorszenarien über unsere Absichten – schließlich wurde den Bürgern bisher ein unausweichlicher Konflikt mit den Russen für 2029 oder 2030 prophezeit. Und nun dieser drastische Sprung in der Zeitachse!

Die Quelle dieser Sensationsmeldung waren “exklusive Informationen”, die die amerikanische Zeitung The Wall Street Journal von anonymen Beamten erhalten haben will, die sich auf “neue Berichte des US-Geheimdienstes” beriefen. Angeblich hatten die US-Geheimdienste bislang angenommen, Russland werde die NATO erst nach dem Ende des Ukraine-Krieges angreifen, sollen ihre Einschätzung jedoch geändert haben, nachdem die als adäquat geltende Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard zurückgetreten war. Nun werde Russland offenbar erwägen, die Allianz noch vor Abschluss seiner Spezialoperation durch eine “begrenzte Invasion” zu testen.

Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung dieser “Exklusivmeldung” des WSJ ereignete sich am Flughafen Leipzig ein rätselhafter Vorfall mit einer unbekannten Drohne – und westliche Propagandisten begannen sofort zu spekulieren, dass dies bereits ein russischer Angriff auf die NATO sein könnte. Natürlich war Russland der Schuldige! Wer sonst?

Niemand kann wirklich erklären, warum eine Drohne, die auf unerklärliche Weise auf die Startbahn eines deutschen Flughafens gelangte, etwas mit Russland zu tun haben soll. Die Geschichte wurde von den Medien bereits bis ins Detail zerlegt. Allerdings änderten sich dabei im Laufe der Zeit die Angaben immer wieder. Zunächst hieß es, die Drohne sei einem mit Munition beladenen ukrainischen Militärflugzeug nahegekommen, dann stellte sich heraus, dass ihr Eindringen in den Flughafen bereits Stunden zuvor registriert worden war, und schließlich zeigte sich, dass das Flugzeug leer war.

Den Höhepunkt bildete eine schier unglaubliche Erzählung, wonach die eine tödliche Ladung Sprengstoff tragende Drohne von einem Busfahrer unschädlich gemacht worden sei, der sie im Flug mit dem Fuß niedergerungen haben soll! Vor diesem Hintergrund verblasst sogar die weitverbreitete Falschmeldung aus der Ukraine über eine Kiewerin, die angeblich eine Drohne mit einem Einmachglas abgeschossen haben soll! Offenbar erkennen viele die Absurdität dieser Story an, was durch die Flut an Karikaturen und Memes in deutschen sozialen Netzwerken bestätigt wird. Dennoch wird sie der Öffentlichkeit weiterhin mit ernster Miene präsentiert und als Tatsache verkauft.

Deutsche Politiker haben die Beteiligung Russlands an dem mysteriösen Drohnenvorfall in Leipzig sofort behauptet, ohne auch nur von ihren Sofas aufzustehen. Praktisch alle stereotypen Russophoben in Deutschland zeigten unverzüglich auf unser Land. “Hinter der Drohne mit dem Sprengsatz steckt Russland!”, erklärte die Vorsitzende des Sicherheitsausschusses im Europaparlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, ohne zu zögern.

Ihr pflichtete der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kisewetter bei:

“Russland stellt uns auf die Probe und verlagert den Krieg immer intensiver und häufiger nach Europa, weil wir zu schwach und unentschlossen sind und Russland oft ungestraft davonkommen lassen (…) Der versuchte Terroranschlag mit einer Drohne in Leipzig fügt sich in die Systematik der russischen Militärstrategie ein.”

Man möchte daran erinnern, welche Aussagen dieselben Personen unmittelbar nach der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines gemacht haben. Strack-Zimmermann erklärte auch damals sofort und ohne zu zögern, Russland versuche “auf diese Weise, der deutschen Wirtschaft zu schaden”. Und Kiesewetter beschuldigte Moskau damals des “Staatsterrorismus und der Führung eines hybriden Krieges” und bezeichnete die Sprengung der Gaspipeline als “russischen Sabotageakt”.

Aus irgendeinem Grund äußern sich diese Persönlichkeiten derzeit nicht besonders gerne zum Verlauf des Gerichtsverfahrens gegen die ukrainischen Sprengstoffattentäter von der “Andromeda”-Jacht. Man kann davon ausgehen, dass sie in ein oder zwei Jahren, wenn sich herausstellt, wer hinter der Drohne in Leipzig steckte, auch ihre drohenden Äußerungen zu genau diesem seltsamen Vorfall “vergessen”, Russland aber dennoch weiterhin für alle Übel verantwortlich machen werden.

Die meisten deutschen Politiker allerdings scheinen sich bei der Kommentierung des aktuellen Vorfalls zurückhaltend zu zeigen und rufen dazu auf, die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten. Doch die dortigen Medien kritisieren sie bereits scharf für diese Unentschlossenheit. Der Tagesspiegel greift den Innenminister offen an:

“Warum erwähnt Dobrindt das Wort 'Russland' nicht?”

Schließlich sei doch allen klar, wer die seltsame Drohne mit dem defekten Zünder in der Nähe des leeren ukrainischen Flugzeugs platziert haben muss!

Vielen in Deutschland ist das so klar, dass sie bereits einen Schritt weiter gehen und fordern, zumindest Artikel 4 der NATO-Satzung anzuwenden – über die Aufnahme von Konsultationen über mögliche Reaktionen auf eine Aggression gegen Mitglieder des Bündnisses. Dazu hat insbesondere derselbe Kiesewetter aufgerufen. Dabei ist ihm doch bestens bewusst, dass die nächste Stufe auf dieser Eskalationsleiter nur ein globaler Krieg sein kann.

Gemäßigtere deutsche Russophobe (wie der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger) halten die Anwendung von Artikel 4 oder gar Artikel 5 der NATO-Satzung für verfrüht, sind aber dennoch davon überzeugt, dass die Europäische Union und das Nordatlantikbündnis gemeinsam auf einen “Angriff” reagieren müssen. Dabei stellte er einen direkten Zusammenhang zwischen den Ereignissen auf der Startbahn in Leipzig und den bevorstehenden Wahlen in Deutschland her und fügte hinzu:

“Russland verhält sich so, dass wir davon ausgehen können und müssen, dass es an militärischen Aktionen gegen uns beteiligt ist.”

Also doch: Die Russen haben angegriffen!</

Nicht zufällig hat die russische Botschaft in Berlin in ihrer Stellungnahme zu diesen haltlosen Anschuldigungen auch an frühere Skandale erinnert, die im Sande verliefen, und die deutschen Bürger gewarnt:

“Unsererseits möchten wir hinzufügen, dass die größte Gefahr für Deutschland heute nicht von den immer wieder beschworenen ‘hybriden Angriffen’ Moskaus ausgeht, die es nicht gibt, sondern von Politikern, die mit bemerkenswertem Eifer Szenarien für einen baldigen Krieg mit Russland entwerfen und den deutschen Bürgern nahelegen, sich daran zu beteiligen.”

Analogien zur Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines und zu anderen Ereignissen drängen sich geradezu auf, die dieselben wahnsinnigen deutschen Politiker Russland zugeschrieben haben!

Erinnern Sie sich daran, ziehen Sie Parallelen – und denken Sie darüber nach! Zum Beispiel darüber, dass es sich um eine ukrainische Operation unter falscher Flagge gehandelt haben könnte. Solche Vermutungen werden von einigen Experten vorsichtig geäußert. Doch die deutschen Medien brandmarken sie sofort, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, als “Kreml-Propagandisten”, ohne sich überhaupt mit dem Kern der Aussage auseinanderzusetzen.

Denn die Aufgabe der europäischen Propaganda ist bis zur Primitivität einfach: Um jeden Preis Ängste vor der “russischen Bedrohung” zu schüren, um so die Verschlechterung der sozialen Standards im Hinblick auf einen neuen Krieg mit Russland zu rechtfertigen, der jeden Moment beginnen wird … Genauer gesagt, der bereits begonnen hat … Gerade eben … Ach nein, er hat doch noch nicht begonnen, aber es ist fast so weit.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Originalartikel ist am 10. August 2026 auf ria.ru erschienen.

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