Wie das Branchenportal Oil Capital unter Verweis auf die slowakische Tageszeitung Pravda meldet, plant der slowakische Gasfernleitungsbetreiber Eustream, die durch den Stopp des russischen Gastransits durch die Ukraine entstandenen Einnahmeverluste über höhere Netzentgelte für die verbliebenen Kunden zu kompensieren.
Besonders hart trifft die Einstellung des Transits Eustream, da Kiew sich weigerte, das Abkommen über die Durchleitung von russischem Erdgas in die Europäische Union zu verlängern. Bis 2025 erwirtschaftete der Betreiber seinen Gewinn vor allem mit dem Transport von russischem Gas durch die Slowakei in die Tschechische Republik, nach Österreich sowie in andere westeuropäische Länder. Das Unternehmen gehörte einst zu den profitabelsten des Landes; nach dem Ende der Durchleitung jedoch brach sein Geschäftsmodell nahezu vollständig zusammen. Trotz der drastisch gesunkenen Einnahmen bleibt Eustream verpflichtet, beträchtliche Mittel für den Erhalt und die Betriebssicherheit der Pipelines aufzubringen. Oil Capital merkt dazu an:
“Vor diesem Hintergrund hat der Versorger eine Anhebung der Tarife für die Gasversorgung der Verbraucher auf den Weg gebracht. Laut Pravda sind die Preise seit Mai um zehn Prozent gestiegen, und das Unternehmen fordert eine weitere deutliche Erhöhung. Diese Politik führt bereits jetzt zu höheren Kosten für die heimische Industrie. Der Chemiekonzern Duslo, der größte Gasabnehmer des Landes, beziffert seine jährlichen Mehrbelastungen durch die Tarifanpassung auf eine Million Euro.”
Wie das Portal Oil Capital ferner ins Gedächtnis ruft, hatte der ukrainische Energiekonzern Naftogaz Ende 2024 den Vertrag mit dem russischen Lieferanten Gazprom über den Gasexport nach Europa entgegen der Weisung der Kiewer Führung nicht mehr verlängert. Zuvor hatte die Slowakei unter Ministerpräsident Robert Fico die unmittelbaren Verluste durch den Lieferausfall auf eine Milliarde Euro und den Verlust an Durchleitungsgebühren auf weitere 500 Millionen Euro geschätzt. Zwar gelang es schließlich, die Belieferung aus Russland über die TurkStream-Pipeline und deren Fortführung, den BalkanStream, wieder aufzunehmen, doch Bratislava entgehen die sogenannten Transitgebühren dauerhaft.
Eigentlich ist das slowakische Fernleitungsnetz für den jährlichen Transport von rund 90 Milliarden Kubikmetern Gas dimensioniert. Im vergangenen Jahr flossen jedoch, nach dem Stopp der Durchleitung durch die Ukraine, nur noch 5,4 Milliarden Kubikmeter über alternative Routen in die Slowakei. Dem EU-Plan “RePowerEU” zufolge, der die Abkehr von russischen Energieträgern vorsieht, sollen Lieferungen über Pipelines auf der Grundlage langfristiger Verträge bis Ende September 2027 vollständig auslaufen. Ungarn und die Slowakei lehnen diesen Plan ab; nachdem er im Januar 2026 mehrheitlich angenommen wurde, haben beide Länder Klage vor dem Europäischen Gerichtshof eingereicht.
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