Am vergangenen Samstag wagte der russische Extremsportler Sergei Bojtsow einen außergewöhnlichen Sprung aus schwindelerregender Höhe. Der 32-jährige Fallschirmspringer verließ in etwa 11.551 Metern über dem Altai-Gebirge den Korb eines speziell konstruierten Heißluftballons, eines sogenannten Thermoaerostaten. Anschließend raste er zweieinhalb Minuten im freien Fall dem Erdboden entgegen.
Bei diesem atemberaubenden Manöver erreichte Bojtsow eine Spitzengeschwindigkeit von ungefähr 500 Stundenkilometern. Erst in rund 1.565 Metern Höhe entfaltete sich sein Fallschirm, bevor er wenige Minuten später sicher auf dem Boden aufkam. Die Temperaturen in der Absprunghöhe lagen bei eisigen minus 59 Grad Celsius.
Der spektakuläre Sprung ereignete sich im Ust-Kalmanski-Bezirk der russischen Region Altai. Für das Vorhaben nutzte man einen gigantischen Thermoaerostaten mit einem Volumen von etwa 10.000 Kubikmetern. Laut den Organisatoren stieg der Ballon sogar auf rund 11.610 Meter und markierte damit einen neuen russischen Höhenrekord für diese Art von Luftfahrzeugen. Der Aufstieg, der von Iwan Menjailo, dem Präsidenten des russischen Aeronautik-Sportverbandes, gesteuert wurde, dauerte mehr als drei Stunden.
Dieses kühne Unterfangen war Teil des mehrjährigen Projekts „Stratum Jump 11–12“. Die Vorbereitungen umfassten umfangreiche technische Prüfungen, Versuche in der Druckkammer und den Einsatz spezieller Sauerstoffsysteme. Ein großes Expertenteam unterstützte Bojtsow bei der Umsetzung dieses riskanten Vorhabens.
Die Veranstalter feiern das Ereignis als neuen Rekord für einen Fallschirmsprung aus einem Thermoaerostaten. Diese spezifische Rekordkategorie ist jedoch nicht direkt mit anderen historischen Höhensprüngen vergleichbar.
Kein direkter Vergleich mit Baumgartner
Besonders der berühmte Stratosphärensprung von Felix Baumgartner aus dem Jahr 2012 lässt sich nicht unmittelbar mit Bojtsows Aktion vergleichen. Baumgartner wurde damals in einer speziell gefertigten Druckkapsel, die ein Heliumballon auf knapp 39 Kilometer Höhe trug, in die Stratosphäre gebracht. Bojtsow hingegen sprang direkt aus dem offenen Korb eines Thermoaerostaten aus 11,5 Kilometern Höhe. Die beiden Projekte setzten also auf völlig unterschiedliche Technologien und fanden unter anderen Rahmenbedingungen statt.
In der russischen Extremsportszene ist Bojtsow kein Unbekannter. Besondere Aufmerksamkeit erlangte er durch einen Fallschirmsprung vom Lakhta Centre in St. Petersburg, dem mit 462 Metern höchsten Gebäude Europas. Der 2019 vollendete Wolkenkratzer besitzt 87 oberirdische Stockwerke und beherbergt den Hauptsitz von Gazprom. Seine auffällige Fassade dreht sich vom Fundament bis zur Spitze um etwa 90 Grad und erinnert optisch an einen Eiszapfen. In rund 365 Metern Höhe befindet sich eine Aussichtsplattform, und der gesamte Gebäudekomplex bietet etwa 570.000 Quadratmeter Nutzfläche.
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