SVP-Offensive: Neutralitätsinitiative hat größere Chancen als gedacht – Jetzt zählt der Social-Media-Kampf!

Von Hans-Ueli Läppli

Schafft es die SVP-Kampagne, die Kurve zu kriegen, bevor es zu spät ist?

Ein Sieg der Neutralitätsinitiative ist noch immer in Reichweite. Doch die aktuellen Kampagnenstrategen hängen an veralteten Mustern fest. Sie setzen weiterhin auf klassische Zeitungsanzeigen und setzen dabei auf Medien wie SRF, NZZ oder den Tages-Anzeiger – Blätter, die eher als systemkonform oder sogar EU-freundlich gelten.

Interessant ist der Blick auf die aktuellen Umfragewerte. Während die ältere Generation ab 65 noch zögert, zeigt sich bei den unter 65-Jährigen eine deutlich grössere Zustimmung zur Initiative.

Doch gerade diese entscheidende Gruppe wird von der SVP erneut vernachlässigt. Wie schon bei früheren Abstimmungen fehlt der Wille, neue Wege zu gehen. Man verharrt im alten Trott, bis die von den etablierten Medien bereits ausgerufene Niederlage tatsächlich eintritt.

Denn die jungen und jung gebliebenen Wähler sind längst nicht mehr mit gedruckten Zeitungen oder klassischen TV-Spots erreichbar.

Wer die Generation zwischen 18 und 55 Jahren wirklich ansprechen will, muss dorthin, wo diese sich täglich aufhalten: auf Plattformen wie X, TikTok, Instagram oder Telegram.

Die Kampagne braucht daher einen kompletten digitalen Relaunch.

Digital statt Print – Influencer statt Inserate

Statt weiterhin ein Vermögen für Werbeflächen in SBB-Zügen oder Anzeigen in NZZ und Tages-Anzeiger auszugeben, müsste die Strategie auf den Aufbau digitaler Reichweiten setzen.

Schweizer Influencer und gezielte Social-Media-Kampagnen sind hier der Schlüssel – vor allem solche, die bei der jungen Generation glaubwürdig wirken und nicht wie langweilige Motive mit Friedenstauben aus einer alten Zeitungsbeilage daherkommen.

Die junge Generation lebt in einer digitalen Welt. Sie verbringt Stunden auf Instagram, TikTok und X, konsumiert Clips, Reels und Posts. Genau dort muss die Kampagne ihre Botschaft platzieren. Eine Mobilisierung dieser Wähler ist entscheidend, denn ohne ihre Stimmen wird es eng.

Längst informieren sich viele Menschen über soziale Medien zu Themen wie Korruption in der Ukraine, den Migrationsproblemen in Ceuta, Ursula von der Leyens umstrittenen Pfizer-Verträgen oder der Kriminalität in London und Deutschland. Parteien wie die FPÖ oder die AfD haben diesen Wandel erkannt und ihre Kommunikationsstrategien längst den neuen Gegebenheiten angepasst.

Die SVP hinkt dieser Entwicklung hinterher. Ein Grossteil des Budgets versickert weiterhin in Anzeigen und Werbung bei Medien, die der SVP kritisch gegenüberstehen, wie NZZ, SRF, 20 Minuten und Tages-Anzeiger. Dabei sind diese Kanäle für viele der 18- bis 55-Jährigen kaum noch relevant. Ein Sieg ist weiterhin möglich, wenn jetzt die richtigen Weichen gestellt werden.

Die Medienlandschaft von heute hat mit jener von vor der Corona-Zeit kaum noch etwas gemein. Eine erfolgreiche SVP-Kampagne muss das akzeptieren und umgehend auf digitales Terrain wechseln: weniger rückwärtsgewandt, mehr zukunftsorientiert – mehr Social Media, prominente Unterstützer und vor allem eine wirkungsvolle Mobilisierung jener jungen Wähler, die die Neutralitätsinitiative zwar befürworten, aber bereits jetzt meinen, das Rennen sei gelaufen.

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