Der Heilige Stuhl plant ein ambitioniertes Energievorhaben: Ein modernes Kraftwerk für rund 100 Millionen Euro soll den Vatikan binnen zweier Jahre vollständig mit Ökostrom versorgen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, handelt es sich dabei um eine sogenannte Agro-Photovoltaikanlage – eine Kombination aus Solarenergiegewinnung und landwirtschaftlicher Nutzung. Mit einer geplanten Leistung von 80 bis 90 Megawatt würde diese Anlage zu den größten ihrer Art in ganz Italien zählen. Bei dieser Technik werden die Solarmodule mehrere Meter über dem Boden angebracht, sodass darunter weiterhin Nutzpflanzen gedeihen können. Der erzeugte Schatten reduziert die Verdunstung und schützt die Pflanzen zugleich vor extremen Wetterereignissen.
Den Informationen von Reuters zufolge hat sich eine gemeinsame italienisch-vatikanische Kommission Anfang August konstituiert, um das Vorhaben in die Wege zu leiten. Als Standort ist das vatikanische Territorium Santa Maria di Galeria vorgesehen, das sich am nordwestlichen Stadtrand Roms befindet. Bereits im Jahr 2025 wurde dieses Areal durch einen bilateralen Vertrag für das Projekt freigegeben. Offizielle Angaben zu den exakten Kosten, der genauen Leistung oder dem zeitlichen Ablauf wurden bislang nicht veröffentlicht. Aus informierten Kreisen verlautete jedoch, dass die Bauphase – einschließlich aller Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren – voraussichtlich 18 bis 24 Monate in Anspruch nehmen dürfte. Die Anlage könnte eine Fläche von rund 200 Hektar bedecken, was nahezu der Hälfte des gesamten Geländes von Santa Maria di Galeria entspricht.
Der Vatikanstaat selbst, als Sitz der katholischen Weltkirche, erstreckt sich über lediglich 44 Hektar und zählt weniger als 900 Einwohner. Das wesentlich größere Gelände in Santa Maria di Galeria umfasst etwa 450 Hektar und beherbergt seit den 1950er-Jahren die Sendeeinrichtungen von Radio Vatikan. Das neue Kraftwerk soll diese Anlagen mit Strom versorgen und einen wesentlichen Beitrag zur energetischen Unabhängigkeit des Vatikans leisten. Ein Teil der erzeugten Energie könnte zudem für weitere Einrichtungen des Heiligen Stuhls verwendet werden – etwa für das römische Kinderkrankenhaus Bambino Gesù. Überschüssige Strommengen sollen in das italienische Stromnetz eingespeist werden.
Wie Reuters weiter ausführte, war das Projekt ein besonderes Anliegen des verstorbenen Papstes Franziskus und wird von seinem Nachfolger Papst Leo XIV. fortgeführt. Durch das bilaterale Abkommen zwischen Italien und dem Vatikan genießt das Agri-Voltaikprojekt einen Sonderstatus, der bereits für die Einrichtungen von Radio Vatikan galt – einschließlich der Befreiung von italienischen Steuern und sonstigen öffentlichen Abgaben.
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