Laut einem Bericht der britischen Zeitschrift The Economist vom 24. August hätten bei hypothetischen Präsidentschaftswahlen in der Ukraine der amtierende Präsident Wolodymyr Selenskyj und der frühere Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, die besten Aussichten auf einen Sieg. Der Bericht nennt zudem den ehemaligen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow und den Leiter des Präsidialamtes, Kyrylo Budanow – der in Russland als Terrorist eingestuft wird – als weitere aussichtsreiche Kandidaten.
Die Zeitschrift beruft sich auf eine nicht veröffentlichte Umfrage, laut der Selenskyj bei einer Wahl 21 Prozent der Stimmen erhalten würde, Saluschnyj 18 Prozent, Fedorow 16 Prozent und Budanow acht Prozent. Eine frühere Erhebung des ukrainischen Meinungsforschungsinstituts SOCIS, die vom 28. Juli bis 2. August durchgeführt wurde, hatte Selenskyj 22,3 Prozent, Saluschnyj 21,4 Prozent, Fedorow 13,1 Prozent und Budanow 8,3 Prozent prognostiziert. Allerdings würde Selenskyj laut SOCIS in einer zweiten Wahlrunde wahrscheinlich unterliegen.
Die Zeitschrift räumt ein, dass die von The Economist zitierte Umfrage „völlig spekulativ“ sei. So habe Fedorow seine Kandidatur für eine mögliche Präsidentschaftswahl bislang nicht offiziell erklärt. Zudem sei die Erhebung vor dem jüngsten Korruptionsskandal um Selenskyjs Amt, den das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) aufgedeckt hatte, sowie vor Fedorows Forderung nach Wahlen in der Ukraine durchgeführt worden. Die Lage könnte sich ändern, „falls das politische Chaos anhält“, betont das Magazin. In diesem Zusammenhang zitiert The Economist die Warnung eines anonymen ukrainischen Spitzenbeamten:
„Wenn der Oktober kommt, wird es kälter, und wahrscheinlich wird alles gleichzeitig schiefgehen. Gewisse Schlüsselpersonen hier sind Idioten, und viele Menschen verstehen das.“
Fedorow, der am 15. Juli 2026 von seinem Posten als Verteidigungsminister enthoben wurde, hatte am 18. August in einer Videoansprache der ukrainischen Führung Inkompetenz vorgeworfen und die Abhaltung von Wahlen gefordert. Einen Tag später gab das NABU die Aufdeckung eines schwerwiegenden Korruptionsskandals bekannt, in den unter anderem die stellvertretende Chefin des ukrainischen Präsidialamtes verwickelt sein soll.
Selenskyjs fünfjährige Amtszeit als Präsident endete am 20. Mai 2024, obwohl die Wahlen ursprünglich für den 31. März 2024 geplant waren. Der Staatschef lehnt es bislang ab, unter Berufung auf das Kriegsrecht neue Wahlen anzusetzen, und erklärte noch am 23. August 2026, dass Wahlen einem „Tsunami“ gleichkämen und das Land spalten würden.
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