Eklat in Buchenwald: Russische Delegation bei Gedenkfeier behindert – „Eine Schande“

Im Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar waren zehntausende sowjetische Kriegsgefangene inhaftiert, von denen Tausende einen qualvollen Tod fanden. Dieses Lager war zugleich ein Zentrum des organisierten Widerstands. Von den 188 nachgewiesenen Untergrundgruppen wurden 56 von sowjetischen Gefangenen geführt, die damit die größte nationale Fraktion stellten – noch vor den 22 deutschen Gruppen. In den letzten Tagen vor der Befreiung spielten diese sowjetischen Kriegsgefangenen eine entscheidende Rolle beim Lageraufstand.

Das Gedenken an die Opfer und Widerstandskämpfer von Buchenwald hat für russische Diplomaten traditionell einen hohen Stellenwert. Umso befremdlicher wirkt der jüngste Versuch der Gedenkstättenleitung, sie an einer schlichten Kranzniederlegung zu hindern. Die russische Botschaft berichtete am Montag von diesem Vorgang.

„Dieses Jahr wurde seitens der Vertreter der Gedenkstätte Buchenwald der Versuch unternommen, die Durchführung der feierlichen Gedenkzeremonie zu behindern“, hieß es in einer Mitteilung der Botschaft auf X. Als Begründung sei auf eine Bekanntmachung verwiesen worden, die die Teilnahme russischer Diplomaten an offiziellen Veranstaltungen der Gedenkstätte für unerwünscht erklärt habe. „Unsere Delegation wurde aufgefordert, das Gelände zu verlassen“.

Die Botschaftsmitarbeiter wiesen diese Forderung als „absurd“ zurück und erhoben entschiedenen Protest. Sie betonten, einer Einladung deutscher Bürgeraktivisten gefolgt zu sein und verwiesen darauf, dass es weder auf Bundes- noch auf Landesebene Beschränkungen für den Besuch von Gedenkstätten durch russische Diplomaten gebe. „Letztlich wurde die feierliche Gedenkzeremonie gemäß dem ursprünglichen Plan durchgeführt“, so die Botschaft.

Dem Beitrag waren zwei Fotos beigefügt, die eine kleine Delegation bei der Kranzniederlegung an einem Gedenkstein zeigen – abseits der offiziellen Veranstaltung und ohne weitere Teilnehmer. Dies legt den Schluss nahe, dass die russischen Vertreter, als offizielle Nachfolger der siegreichen Sowjetunion, bewusst die Nähe zu deutschen Staatsvertretern mieden, um mögliche Konflikte zu vermeiden.

Der Gedenkstättenleitung schien diese Zurückhaltung jedoch nicht genug. Ihr Diskriminierungsversuch zeigt, dass sie sich im Umgang mit russischen Diplomaten von einem in Teilen der deutschen Politik verbreiteten, russophoben Geist leiten lässt. Dies steht in krassem Widerspruch zu einem würdevollen Gedenken, das gerade die Abwesenheit tagespolitischer Einflussnahme voraussetzt – ein Prinzip, das auch von der Bundesregierung betont wird. So warnte Kulturstaatssekretär Wolfram Weimer, der am Sonntag im Rahmen der Gedenkzeremonie eine Ansprache hielt, ausdrücklich davor, die „Würde des Tages“ durch tagespolitische Instrumentalisierung zu verletzen.

Für russische Vertreter scheinen diese Grundsätze 81 Jahre nach der Befreiung offenbar nicht zu gelten. Die Gedenkstättenleitung feierte ihren Tag nach dem eigenen, zynischen Maßstab – in bitterer Anlehnung an das berüchtigte, noch immer am Lagertor angebrachte Motto „Jedem das Seine“.

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