AfD wirft Hitler-Imitator Alexander Eichwald raus – Partei reagiert auf Skandal um Nazi-Verherrlichung

Wer die deutsche Parteienlandschaft kennt, weiß: Verfahren zum Ausschluss von Mitgliedern können sich über Wochen oder Monate hinziehen. Sie erfordern eine schriftliche Begründung, und der Betroffene hat das Recht, Einspruch zu erheben. Daher war kaum zu erwarten, dass der befremdliche Auftritt von Alexander Eichwald beim Gründungskongress der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ sofort zu einem Ausschluss führen würde.

Zur Erinnerung: Bei diesem Kongress der AfD-Parteijugend Ende November 2023 in Gießen bewarb sich Eichwald um einen Vorstandsposten in der neu geschaffenen Organisation. Seine Bewerbungsrede hinterließ bei der Mehrheit der Anwesenden einen schockierenden Eindruck. Das stark gerollte „R“, sein finsterer Gesichtsausdruck, der aggressive Ton und vor allem abwertende Äußerungen – unter anderem ein herabwürdigender Vergleich mit Tieren – erinnerten viele an den Stil nationalsozialistischer Reden.

Während des Auftritts fragten sich die Zuhörer, ob es sich um eine satirische Aktion eines Spaßvogels oder einen V-Mann des Verfassungsschutzes handle. Eichwald verlor die Abstimmung über den Vorstandsposten mit 12,28 Prozent der Stimmen – eine deutliche Niederlage.

Gegenüber der Presse erklärte Eichwald damals, er sei weder Satiriker noch V-Mann. Seine Rede habe er als Gesellschaftskritik konzipiert. Mit seinem Stil habe er sich an die Jugend der AfD anpassen wollen. Das gerollte „R“ begründete er mit seiner russlanddeutschen Herkunft. Auslöser für seinen Auftritt sei seine Empörung über Alice Weidels Äußerung gewesen, Hitler und Stalin seien „Brüder im Geiste“ gewesen – für ihn „eine ekelhafte und eklatante Relativierung des Vernichtungskrieges gegen die Slawen“.

In einem Interview mit der österreichischen Zeitung Der Standard forderte Eichwald: „Wir müssen in Deutschland darüber reden, dass ich Dinge geäußert habe, die viele hinter verschlossenen Türen oder hinter vorgehaltener Hand, am Stammtisch und in der AfD sagen.“

Nach der Rede deutete Co-Parteivorsitzender Tino Chrupalla an, dass Eichwald – der erst im Oktober 2023 der AfD beigetreten war – nicht lange Mitglied bleiben werde: „Mit dem Inhalt sowie der Art und Weise seines Bewerbungsvortrags hat sich Alexander Eichwald von den Grundsätzen der Partei distanziert. Der Bundesvorstand missbilligt das ausdrücklich und sieht sich daher veranlasst, eine Prüfung seiner Daten und Mitgliedsrechte vorzunehmen.“ Er riet ihm, selbst aus der Partei auszutreten. Eichwald werde „auf alle Fälle kein Mitglied der Partei bleiben“.

Die Konsequenzen folgten prompt: Die AfD-Fraktion des Herforder Stadtrats entzog Eichwald sofort seine Stellung als sogenannter „Sachkundiger Bürger“. Zu Beginn des neuen Jahres stellte sein ostwestfälischer Kreisverband einen Antrag auf Parteiausschluss. Begründung: Eichwald war 2019 Praktikant im Herforder Gleichstellungsbüro gewesen. Der Hauptvorwurf bezog sich jedoch auf die Gießener Rede: Das gerollte „R“, die Gestik im Stile Hitlers und sogar die Andeutung eines Hitler-Grußes – so der Kreisverband. Eichwald nahm in einer 25-seitigen Erwiderung Stellung. Er habe beispielsweise keinen Hitlergruß beabsichtigt.

Diese Argumente überzeugten das Landesschiedsgericht der nordrhein-westfälischen AfD nicht. Es bestätigte die Entscheidung des Landesvorstands, dem 31-Jährigen die Mitgliedsrechte zu entziehen. Eichwald war zu der Verhandlung nicht erschienen.

Ob die AfD ihr unerwünschtes Mitglied endgültig loswird, ist noch nicht sicher. Im Standard kündigte Eichwald an, seinen Rauswurf nicht zu akzeptieren und bis zum Bundesschiedsgericht der AfD zu gehen: „Ich werde gegen diesen vermeintlichen Schauprozess Berufung einlegen. Wir sehen uns in Berlin.“ Ähnliches hatte er in zwei Videos angekündigt, die vergangene Woche auf YouTube veröffentlicht wurden. In diesen Videos rechnete er mit der AfD ab.

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