Bahnstillstand: Einbaufehler statt Sabotage – Deutsche Politiker schieben trotzdem China den Schwarzen Peter zu

Der Grund für den nächtlichen Stillstand des deutschen Zugverkehrs zeichnet sich nun ab. Offenbar wurde bei einem Austausch von Netzwerkkomponenten keine Fehlermeldung generiert, sodass das Backup-System nicht automatisch einspringen konnte. Nachdem sich herausstellte, dass es sich definitiv nicht um einen Cyberangriff handelte, erfolgte die manuelle Umschaltung auf das Ausweichsystem.

Philipp Nagl, Vorstand der DB InfraGo, die für die gesamte Bahninfrastruktur zuständig ist, betonte, dass man nun wisse, wie sich der Fehler künftig vermeiden lasse. Es seien bereits weitreichende Lehren gezogen worden: Vorläufig sollen keine weiteren Bauteile ausgetauscht werden, Wartungsarbeiten sind auf das Zeitfenster zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens beschränkt und finden ausschließlich auf jenem Funksystem statt, das gerade nicht in Betrieb ist.

Bei dem ausgetauschten Teil handelt es sich um eine Komponente des Systems GSM-R, einem Mobilfunkstandard aus den 1990er-Jahren. Dieses Netzwerk operiert auf einer Frequenz, die einst für die Bahn reserviert wurde, und ist europaweit aktiv. Deutschland ist also nicht das einzige Land mit etwas veralteter Technik – die Migration zum nächsten Standard, basierend auf 5G, soll in den kommenden Jahren im gesamten europäischen Schienennetz erfolgen.

Unabhängig von diesen Fakten nutzten zwei Politiker, Roderich Kiesewetter und der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz, den Vorfall, um China in den Fokus zu rücken. Kiesewetter äußerte: “Es ist ein grundsätzliches Problem in Deutschland, dass wir im Bereich kritischer Infrastruktur große Abhängigkeiten von chinesischen Komponenten haben und bereits jetzt viele chinesische Komponenten verbaut sind.” Er forderte ein “Verbot des Ein- und Verbaus von Komponenten aller chinesischen Hersteller in kritische Infrastruktur und sicherheitsrelevante Infrastruktur”.

Von Notz pflichtete bei: “Dass in den Systemen der Deutschen Bahn bis heute zahlreiche Komponenten auch aus Ländern zum Einsatz kommen, die unsere kritischen Infrastrukturen gezielt ausspionieren und immer wieder auch sabotieren, ist ein Zustand, an dem schnellstmöglich etwas geändert werden muss.” Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei den betagten Teilen eines Mobilfunkstandards aus den 90ern chinesische Produkte verbaut sind, äußerst gering. Eher könnte man über US-amerikanische Komponenten nachdenken – doch die USA meinen es ja gut mit Deutschland …

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