Bauzinsen erreichen höchsten Stand seit Finanzkrise 2009
Die Kosten für Immobilienkredite in Deutschland haben ein Niveau erreicht, das zuletzt vor 15 Jahren zu beobachten war. Experten sehen angesichts geopolitischer Spannungen und persistierender Inflation vorerst keine Entspannung.
Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung kosten nach Angaben des Finanzierungsvermittlers Interhyp im Durchschnitt rund 4,5 Prozent. Damit liegen die Bauzinsen auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise im Jahr 2009. Das Unternehmen erwartet, dass sich das Niveau in den kommenden Wochen zunächst halten wird.
Ingo Foitzik, Vertriebsvorstand bei Interhyp, führt die hohen Zinsen unter anderem auf den Iran-Konflikt zurück. Solange sich die Lage in Nahost nicht beruhige, sei kein substanzieller Rückgang zu erwarten, erklärte er. Eine Entspannung in der Region zeichne sich derzeit nicht ab.
Das monatliche Bankenpanel von Interhyp bestätigt diese Einschätzung. Für die nächsten ein bis zwei Monate rechnen 80 Prozent der befragten Finanzinstitute mit gleichbleibenden Zinsen, 20 Prozent erwarten einen Rückgang. Einen kurzfristigen Anstieg hält kein Panel-Teilnehmer für wahrscheinlich.
Bei der mittel- bis langfristigen Prognose gehen die Meinungen auseinander. 60 Prozent der Institute rechnen mit sinkenden Konditionen, 40 Prozent hingegen mit einem weiteren Anstieg. Als zusätzliche Belastungsfaktoren nennen die Befragten hohe Haushaltsdefizite in vielen Euroraum-Staaten und die damit verbundenen Aufwärtsrisiken bei den Anleiherenditen.
Auch die Inflationsentwicklung in Deutschland dürfte die Zinsen beeinflussen. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Teuerung bis ins Jahr 2027 hinein deutlich über dem Zielwert bleibt. Dies kann die Erwartungen an künftige Leitzinsen und die Renditen langfristiger Anleihen hochhalten. Da sich die Konditionen für Baukredite an diesen Kapitalmarktzinsen orientieren, ist ein schneller Rückgang der Bauzinsen ungewiss.