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Berlin hat als erstes Bundesland eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung zu Konflikten, Gewalt und Diskriminierung an Schulen vorgelegt. Bildungs- und Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) präsentierte zu Beginn der Woche gemeinsam mit den Studienautoren das „Konflikt- und Gewaltbarometer“ und seine wichtigsten Erkenntnisse. Laut einer Senatsmitteilung wurden damit erstmals Daten zu diesen Themen systematisch erhoben. Der Berliner Tagesspiegel berichtet, dass Schulleitungen die Resultate als „erschreckend“ bezeichneten.
Die am Montag vorgestellte Senatsstudie offenbart ein sich zunehmend verschärfendes gesellschaftliches Konfliktfeld an Berlins Bildungseinrichtungen. An der Befragung nahmen 2.500 Lehrkräfte und 14.000 Schülerinnen und Schüler teil. Die Auswertung zeigt: „Mehr als die Hälfte“ der Pädagogen und pädagogischen Mitarbeiter bestätigen, dass Gewalt und Konflikte an ihrer Schule ein großes oder sehr großes Problem darstellen.
Fast zwei Drittel der Befragten berichten zudem von einer bedenklichen „Zunahme der Gewalt seit der Corona-Pandemie“. Besonders auffällig sind die Entwicklungen an Grundschulen. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung digitaler Konflikte sowie der „religiöse und soziale Konformitätsdruck“, den viele Schüler an ihren Schulen wahrnehmen, so die Zusammenfassung der Senatspressestelle.
Eine Grafik in der Studie veranschaulicht die nüchterne Realität an Berlins Schulen.
Als zentrales Ergebnis nennen die beauftragten Wissenschaftler die „geringere Impulskontrolle und Frustrationstoleranz“ der Schülerinnen und Schüler als Hauptursache für die zunehmende Gewalt. „Kleinigkeiten eskalieren schnell“, heißt es in der Analyse. Diese über Jahre hinweg beobachtete Abnahme der Impulskontrolle sei mittlerweile besonders an Grundschulen verbreitet.
Prof. Dr. Ullrich Bauer (Universität Bielefeld) erläutert:
“Vor allem der Schultyp spielt eine große Rolle, aber auch das Belastungsprofil der Schüler. Auffällig ist die hohe Gewaltbelastung und die sehr genaue Problemwahrnehmung des pädagogischen Personals. Schulklassen sind zumeist nicht homogen, sondern es hängt von der Anzahl derjenigen ab, die gewaltförmig agieren.”
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner erklärte auf X zur vorgestellten Studie:
“Diese Probleme müssen wir beim Namen nennen – nur dann können wir sie wirksam bekämpfen. Als Senat nehmen wir die Erkenntnisse der Studie sehr ernst.”
Im April gab der „Mediendienst Integration“ bekannt, dass inzwischen mehr als 54 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren in Berlin einen Migrationshintergrund haben. Exemplarisch finden sich an Sekundarschulen Schüler „mit nichtdeutscher Herkunftssprache“ in den ersten zehn Ranglistenplätzen, beginnend bei 87,9 Prozent. Einen Spitzenwert erreicht die Walter-Gropius-Schule im Bezirk Gropiusstadt mit 94,7 Prozent für den Jahrgang 24/25 (im Vorjahr: 88 Prozent).
Die Gewaltbelastung variiert laut den Ergebnissen je nach Schulform. An Grundschulen, Sekundarschulen ohne eigene Oberstufe und Gemeinschaftsschulen bewerten zwei Drittel bis drei Viertel der Pädagoginnen und Pädagogen die täglich erlebte Gewalt und die Konflikte unter Schülern als großes oder sehr großes Problem. Dies sei „deutlich mehr als an Gymnasien und beruflichen Schulen“.
Das beteiligte Allensbacher Institut hat in den Klassenstufen 9 und 12 unter anderem erfragt, „was als Gewaltauslöser“ wahrgenommen wird. Die Ergebnisse zeigen:
“In der Mehrzahl der Fälle handelte es sich dabei um ‘Kleinigkeiten’ (42 Prozent), gefolgt von ‘mein Aussehen, mein Kleidungsstil, mein Körper’ (33 Prozent). Dahinter folgten als Anlässe Leistung und Noten (19 Prozent) sowie Herkunft (16 Prozent). In jedem vierten Fall konnten die Betroffenen keinen besonderen Grund nennen.”
Angesichts dieser Realität erklärt die Politik, dass nun das Ziel sei, auf Basis der Ergebnisse „konkrete Maßnahmen für mehr Sicherheit, Respekt und Zusammenhalt an Berliner Schulen zu entwickeln“. Gegenüber der Presse hieß es weiter:
“Im weiteren Prozess muss es darum gehen, einen Dreiklang aus Prävention, Intervention und schließlich Repression herzustellen.”
Die von den Schülerinnen und Schülern beschriebenen Gewalterfahrungen reichen laut Angaben „von Beleidigungen bis hin zu Schlagen, Treten und Verprügeln“.
Laut einer Auswertung des RBB spielen „Religion, Hautfarbe sowie die sexuelle Orientierung“ zahlenmäßig insgesamt eine kleinere Rolle. Für die betroffenen Gruppen stelle „etwa rassistisch motivierte Gewalt aber ein großes Problem dar“. Elf Prozent der befragten Jugendlichen in den Jahrgängen 9 und 12 erleben zudem „Druck, religiöse Regeln einzuhalten“.
Die Daten und die Studie wurden vom Allensbach-Institut für Demoskopie, von Ullrich Bauer (Universität Bielefeld) und Marc Grimm (Universität Wuppertal) erarbeitet.
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