Skandal um Wegner: 250.000 Euro fürs Festkleben – Die dreiste Lüge des Berliner Bürgermeisters

Von Dagmar Henn

Seit der Mitteilung des Kanzleramts, man habe keine Kenntnis von einem Telefonat des Berliner Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner am ersten Tag des Stromausfalls im Januar, wäre es angebracht, dass Wegner nicht nur seine Kandidatur als CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September zurückzieht, sondern auch seinen Posten im Roten Rathaus aufgibt. Immerhin hat er nicht nur die Bürger und die Presse, sondern auch die eigene Verwaltung belogen.

Jedoch – es gibt für ihn einen starken Grund zu bleiben. Sollte er nämlich zurücktreten, würde er nach dem Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Mitglieder des Senats von 2000 seinen Anspruch auf Übergangsgeld verlieren. Hält er an seinem Amt fest, hat er für maximal zwei Jahre Anspruch auf Übergangsgeld. Dieses beträgt in den ersten drei Monaten das volle Amtsgehalt (17.463,99 Euro pro Monat) und für weitere 21 Monate die Hälfte (8.731,99 Euro), insgesamt also 235.763,86 Euro.

Dafür müsste eine Oma wirklich lange Pfandflaschen sammeln. Wegner, der vor seinem Amt als Regierender Bürgermeister von 2005 bis 2021 im Bundestag saß, war neben seiner Abgeordnetentätigkeit zuletzt als Unternehmensberater tätig. Sehr wahrscheinlich wird er nach dem Ende seiner Berliner Amtszeit als Lobbyist auf die eine oder andere Weise seine Kontakte zu Geld machen.

Auf Rentenzahlungen wird der derzeit 53-Jährige allerdings noch etwas warten müssen – da er selbst mit Festklammern am Amtssessel bis zum 20. September keine vier Jahre als Regierender Bürgermeister von Berlin erreichen kann, kann er auch nicht bereits mit 55 Jahren in Rente gehen. Die Rente aus seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter kann er erst mit 67 erhalten; da ist ihm aktuell ein monatlicher Betrag von etwa 4.800 Euro sicher. Die Beträge aus seiner Rente als Bürgermeister und seiner Rente als Abgeordneter werden nur teilweise aufeinander angerechnet.

Aber Wegner scheint auf das Übergangsgeld aus zu sein und nimmt dafür auch in Kauf, dass seine Partei, die inzwischen bereits mit 17 Prozent in den Umfragen nur noch auf Platz vier liegt, bis zu den Wahlen weiter verliert – allein schon, weil seinem weitgehend unbekannten Nachfolger als Spitzenkandidat, Stefan Evers, die Möglichkeiten zur Profilierung fehlen, die er hätte, würde er jetzt das Amt des Regierenden übernehmen.

Die Bürger des notorisch klammen Stadtstaats Berlin werden es ihm danken.

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