BILD-Chefin Horn positioniert sich gegen AfD – Kritik von Ex-Kollege Reichelt
Die Chefredakteurin der BILD-Zeitung, Marion Horn, hat in einem Interview ihre Ablehnung gegenüber der AfD deutlich gemacht. Ihre Aussagen stoßen auf Kritik – auch aus den eigenen Reihen.
Marion Horn, die Chefredakteurin von BILD, BILD am Sonntag und BILD.de, hat erstmals öffentlich ihre politische Haltung zur AfD artikuliert. In einem Interview mit dem Branchendienst Kress erklärte sie: „Fuck AfD – das ist meine Haltung.“ Sie verwies dabei auf ein Poster in ihrem Büro, das einen Sportflugzeug mit genau diesem Schriftzug zeige.
Horn ging in dem Gespräch noch weiter. Sie äußerte, sie wolle nicht einmal auf einem Foto mit der AfD-Bundessprecherin Alice Weidel zu sehen sein. Diese Haltung bezeichnete sie selbst als „unjournalistisch“. Eine derart offene politische Positionierung ist für Chefredakteure einer überregionalen Zeitung höchst ungewöhnlich.
Zudem stellte Horn die Leserschaft ihrer Medienmarke dar. Demnach erreiche BILD mit Print und digital rund 40 Millionen Menschen monatlich. Die Leser verteilten sich fast gleichmäßig auf CDU und SPD, während der Anteil der AfD-Wähler deutlich unter zehn Prozent liege. Konkret nannte sie Zahlen von etwa 19 Millionen CDU-Anhängern, 19 Millionen SPD-Anhängern und zwei Millionen AfD-Anhängern unter den BILD-Rezipienten.
Diese Angaben wurden von Julian Reichelt, dem ehemaligen BILD-Chefredakteur und jetzigen NIUS-Chefredakteur, scharf kritisiert. Reichelt bezeichnete die Zahlen als „gelogen“ und „Propaganda“. Er wies darauf hin, dass bei der letzten Bundestagswahl nur etwa 11,2 Millionen Menschen die CDU und 8,1 Millionen die SPD gewählt hätten – deutlich weniger, als Horn für ihre Leserschaft beanspruche. Bei der AfD seien es 10,3 Millionen Wähler gewesen.
Reichelt äußerte sich zudem „fassungslos“ über Horns politische Selbstpositionierung. Die Äußerung „Fuck AfD“ bezeichnete er als „selbstmörderisch für die Marke BILD“. Mit einer solchen Parole ende jede inhaltliche Auseinandersetzung; eine objektive Bewertung der AfD sei mit dieser Haltung nicht mehr möglich. Auch sei es „unwürdig gegenüber der eigenen Redaktion“, solche Aussagen zu verbreiten.
Horn hatte in dem Interview auch auf die Geschichte der BILD verwiesen. Bereits 2015 hatte das Blatt mit der Parole „Refugees Welcome!“ für Schlagzeilen gesorgt. Die aktuelle Positionierung reiht sich in eine Reihe politischer Bekenntnisse der Medienmarke ein, die in der Branche und der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden.