AfD-Schock in Brandenburg: Zehdenick wählt rechts – und die Bürger sind gespalten

AfD-Erfolg in Brandenburg: Erster Bürgermeister mit AfD-Mandat gewählt

Die AfD feiert einen seltenen Erfolg bei Kommunalwahlen: In der brandenburgischen Kleinstadt Zehdenick (Landkreis Oberhavel) setzte sich der AfD-Politiker René Stadtkewitz mit 58,4 Prozent der Stimmen durch und wird künftig als hauptamtlicher Bürgermeister amtieren. Es ist das erste Mal, dass ein AfD-Mitglied dieses Amt im Land Brandenburg übernimmt. Während die Partei in ostdeutschen Hochburgen bislang nur vereinzelt triumphierte – wie 2023 im thüringischen Moxa (Bürgermeister Johannes Linke) oder im Kreis Sonneberg (Landrat Robert Sesselmann) –, verbuchte sie zuvor auch herbe Niederlagen, etwa bei der Oberbürgermeisterwahl in Dresden 2022 oder der Landratswahl im brandenburgischen Elbe-Elster im Februar 2026.

Der 58-jährige Stadtkewitz, ursprünglich CDU-Mitglied und seit 2024 in der AfD, bewies Ausdauer: Bereits im März 2025 unterlag er in einer Stichwahl dem parteilosen Kandidaten Alexander Kretzschmar. Weil Kretzschmar jedoch aus gesundheitlichen Gründen eine Neuwahl nötig machte, nutzte Stadtkewitz seine Chance. Mit politischer Erfahrung ausgestattet – von 2001 bis 2011 saß er im Berliner Abgeordnetenhaus – siegte er nun deutlich.

Das Endergebnis ließ keinen Zweifel: Der FDP-Kandidat Stephan von Hundelshausen erhielt lediglich 28,6 Prozent der Stimmen. Weit abgeschlagen folgten Wolf-Gernot Richardt (parteilos, 7,8 Prozent) und Dennis Latzke (Partei des Fortschritts, 5,2 Prozent). Von 11.254 Wahlberechtigten gaben 52,8 Prozent ihre Stimme ab.

Stadtkewitz zeigte sich gegenüber der Presse erfreut:

„Ich habe schon gedacht, dass es klappen könnte, die Stichwahl nicht zu haben. Ich habe ja immer vom Zuspruch der Menschen gesprochen. Das spürt man ja.“

Er betonte, das Vertrauen der Bürger sei ein Geschenk, und kündigte an: „Ab jetzt beginnt die Arbeit.“ Als Wermutstropfen empfand er die vergleichsweise niedrige Wahlbeteiligung. Diese führte er auf die Bürgermeisterwahl von 2025 zurück: „Die Leute haben das Vertrauen in die Politik verloren. Das gilt es nun zurückzugewinnen.“

Der unterlegene FDP-Kandidat von Hundelshausen gratulierte, ließ aber einen Seitenhieb gegen die CDU nicht aus:

„28 Prozent ist natürlich nicht das, was ich mir erträumen, erwarten und erstreiten wollte. Aber der Kopf bleibt oben. Ansonsten gratuliere ich Herrn Stadtkewitz. Bei allem anderen würde ich eine gute Reise wünschen. Das ist ein Sprung ins Unbekannte. Ich möchte aber auch der CDU gratulieren. Das ist jetzt der CDU-Wunschbürgermeister.“

In einer Pressemitteilung der FDP Brandenburg hieß es, der Wahlkampf sei hart verlaufen und habe in den sozialen Medien „unterhalb der Gürtellinie“ stattgefunden. Konkrete Vorwürfe nannte Landesvorsitzender Zyon Braun jedoch nicht. Er bedauerte: „Die Stadt hatte ein Angebot aus der Mitte der Gesellschaft, gesiegt hat jedoch der Protest.“

Der ebenfalls unterlegene Dennis Latzke bezeichnete die Wahl als „historisch“ für Brandenburg. Er appellierte an die anderen Parteien, zukünftig präsenter aufzutreten. Der brandenburgische AfD-Landesvorsitzende René Springer hingegen jubelte auf der Plattform X: „Mit der absoluten Mehrheit im ersten Wahlgang haben die Zehdenicker ein unmissverständliches Signal gesetzt. Zehdenick ist ein Vorgeschmack auf das, was in Brandenburg noch kommen wird: Immer mehr Bürgermeister und Landräte von der AfD.“

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