Bundesverdienstkreuz: Kritik an aktuellen Preisträgern und Rückblick auf frühere Ehrungen
Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ist in die Kritik geraten. Während aktuelle Preisträger wie Ruprecht Polenz, Marina Weisband und Christian Drosten als politisch nah an der Regierungsmacht wahrgenommen werden, erinnern …
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat mehrere Personen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, die in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem durch politische Aktivität auffallen. Zu den jüngst Geehrten gehören der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz sowie die frühere Piratenpartei-Politikerin Marina Weisband. Beide sind für ihre politischen Positionen bekannt, Polenz durch seine kritischen Äußerungen gegenüber der politischen Rechten, Weisband durch ihre Medienpräsenz mit politischen Kommentaren.
Der Virologe Christian Drosten erhielt 2020 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Während der Corona-Pandemie warnte er in mehreren öffentlichen Stellungnahmen vor dramatischen Entwicklungen, darunter Szenarien von Toten auf afrikanischen Straßen. Diese Prognosen traten nicht ein. Bereits 2005 war Drosten mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer erhielt die Ehrung, obwohl ihre Landesregierung bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 massive Kritik für ihr Krisenmanagement erfuhr.
Dem stehen frühere Preisträger gegenüber, deren Leistungen sich nachweisen lassen. Heinrich Wöhlk aus Kiel erhielt 1978 das Bundesverdienstkreuz für die Entwicklung der modernen, alltagstauglichen Kontaktlinse. Der stark weitsichtige Wöhlk hatte mehr als zehn Jahre an der Erfindung gearbeitet, die Linsen selbst getestet und schließlich sogar die Produktionsmaschinen gebaut. Seine erste Fertigung richtete er in einer Gartenlaube ein.
Die Sozialarbeiterin Luise Jörissen wurde 1962 für ihre Arbeit mit Flüchtlingen, Vertriebenen, Obdachlosen und alleinstehenden Müttern geehrt. Die promovierte Nationalökonomin hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in Bayern 21 Ortsgruppen des Sozialdienstes katholischer Frauen aufgebaut. Ida Hinz erhielt 1970 das Bundesverdienstkreuz für ihre kommunalpolitische Arbeit in Kiel, wo sie sich nach dem Krieg um Wohnungsnot und Flüchtlingsversorgung kümmerte. Sie saß 28 Jahre im Stadtrat und war 1970 die erste Stadtpräsidentin der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt.
Der Physiker Werner Heisenberg wurde 1964 ausgezeichnet, der 1932 mit 31 Jahren den Nobelpreis für Physik erhalten hatte und als Mitbegründer der Quantenmechanik gilt. Der Wirtschaftswissenschaftler Reinhard Selten erhielt 1995 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband, ein Jahr nach seinem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Arbeiten zur Spieltheorie. Hilde Pesch wurde 1980 für ihr Engagement in der Familienpflege geehrt, das sie 1957 in Stuttgart begründet hatte.