DFB und Nagelsmann gehen getrennte Wege: Krisengespräch endet mit Trennung
Vier Tage nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft trafen sich die Verbandsspitze und Trainer Julian Nagelsmann zu einem klärenden Gespräch in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main. Wie Sport-Bild und der Sender Sky übereinstimmend berichten, endete die Krisensitzung mit der Entscheidung, die Zusammenarbeit zu beenden. Der gescheiterte Coach erhält demnach eine Abfindung in Höhe von rund sieben Millionen Euro.
Julian Nagelsmann wird sein Amt als Bundestrainer niederlegen. Bei einem dreistündigen „Geheimgipfel” am Donnerstag berieten sich laut Medienberichten DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Liga-Präsident Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig. Anschließend hörten sie sich Nagelsmanns „Begründung für das Scheitern bei der WM im Sechzehntelfinale an.”
Der Sender Sky Sport berichtete am Freitagmorgen über das Ergebnis des Treffens: Nach einer „tiefgründigen Analyse des vorzeitigen WM-Ausscheidens” sei beschlossen worden, dass der DFB und Nagelsmann sich trennen. Dem Trainer wurde demnach unmissverständlich „ein Rücktritt von der DFB-Spitze nahegelegt.” Nagelsmann hatte nach dem Ausscheiden in Foxborough (USA) gegen Paraguay noch erklärt: „Ich bin keiner, der wegläuft.” Die Sport Bild-Redaktion ergänzte:
„Die Argumente des Noch-Bundestrainers waren offenbar nicht überzeugend genug. Im Anschluss an die Aussprache soll das Gremium Nagelsmann unmissverständlich nahegelegt haben, einen freiwilligen Job-Rückzug in Erwägung zu ziehen.”
Trotz der desaströsen Leistung wird Nagelsmann finanziell abgesichert. Ihm wurde eine Abfindung ausgehandelt, die in Agenturmeldungen als „goldene Brücke” und „Trostpflaster” bezeichnet wird. Die Summe beläuft sich auf rund sieben Millionen Euro, was „einem Jahresgehalt des scheidenden Bundestrainers entspreche.”
„Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen”, erklärte Präsident Bernd Neuendorf in einer DFB-Mitteilung an die Presse.
Nagelsmann war bei seiner Berufung im Jahr 2023 die „Wunschlösung” von Sportdirektor Rudi Völler, der während der etwas mehr als 1.000 Tage währenden Amtszeit des Trainers dessen wichtigster Ansprechpartner im Verband war. Zuvor hatte Nagelsmann von 2019 bis 2021 RB Leipzig und von 2021 bis 2023 den FC Bayern München trainiert, mit dem er 2022 deutscher Meister wurde. Wie es nun mit Rudi Völler in seiner verantwortlichen Rolle weitergeht, ist bislang kein Medienthema.
Als möglicher Nachfolger für Nagelsmann wird Jürgen Klopp gehandelt, der zuletzt als „Global Head of Soccer” bei Red Bull tätig war. Zudem ist er aktuell bei der WM als Experte für MagentaTV im Einsatz. Laut Sky Sport-Informationen „stünde Klopp bereit und würde den Bundestrainer-Job übernehmen, wenn der DFB auf ihn zukommt.”
Das DFB-Team war nach einer durchwachsenen Gruppenphase mit einer Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador (1:2) im Sechzehntelfinale nach Elfmeterschießen (4:5) gegen Außenseiter Paraguay ausgeschieden.
Mehr zum Thema – Bundesweite Razzia beim DFB – Verdacht des Betrugs bei VIP-Ticketvergabe für EM 2024