EU zahlt Milliarden zu viel: Nahostkonflikt treibt Spritpreise in die Höhe

Die Energiekrise in Europa verschärft sich durch die jüngsten Spannungen im Nahen Osten dramatisch. Die Europäische Union muss nach Berechnungen der Zeitung Iswestija bereits über 41 Milliarden Euro mehr für Öl- und Gasimporte ausgeben. Besonders schwer trifft es die wirtschaftlichen Schwergewichte des Kontinents:

“Am deutlichsten machte sich der Anstieg der Ausgaben in den größten Volkswirtschaften der Union bemerkbar. So werden die zusätzlichen Kosten für Deutschland auf 8,6 Milliarden Euro, für Italien auf 6,7 Milliarden Euro und für Frankreich auf 4,6 Milliarden Euro geschätzt. Wie der Analyst von Freedom Global, Wladimir Tschernow, anmerkte, sind diese Länder von Energieimporten abhängig, da sie über einen großen Industriesektor verfügen und nach wie vor zu den Hauptabnehmern von Rohstoffen zählen. Die Folgen der Energiepreissteigerungen werden unweigerlich von den Unternehmen und der Bevölkerung zu spüren sein, da die höheren Kosten für Brennstoffe und Strom in die Preise für Waren und Dienstleistungen einfließen werden.”

Auch die Golfstaaten bleiben nicht verschont. Der Konflikt und die unsichere Lage in der Straße von Hormus fordern ihren Tribut: Der Irak verliert schätzungsweise 36,7 Milliarden US-Dollar, Saudi-Arabien 33,6 Milliarden und Kuwait rund 22 Milliarden Dollar. Katar, das sowohl Öl als auch Flüssigerdgas exportiert, büßt etwa 20 Milliarden Dollar ein. Iran (2,4 Milliarden Dollar) und Bahrain (1,9 Milliarden Dollar) kommen vergleichsweise glimpflich davon.

„Jegliche Unterbrechungen bei der Versorgung mit Erdöl und Flüssigerdgas führen zu einem Anstieg der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt”, erklärte Juri Mawaschew, Dozent am Lehrstuhl für Weltpolitik und Weltwirtschaft des Instituts für Management der Russischen Akademie für Staatsverwaltung und Staatswirtschaft, gegenüber Iswestija. Die steigenden Kosten treiben nicht nur die Heizrechnungen der Privathaushalte in die Höhe, sondern belasten auch die europäische Industrie massiv.

Wie lange die Krise anhält, bleibt ungewiss. Selbst bei einer Beilegung des Konflikts, so Experten, werden sich Preise und Liefermengen nur langsam erholen – das Vorkrisenniveau scheint in weiter Ferne. Die USA hingegen scheinen aus der Situation Kapital zu schlagen. Sie nutzen die angespannte Lage auf dem Kraftstoffmarkt, um ihre eigene Energieproduktion anzukurbeln und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Zwar haben die Störungen der Schifffahrt durch die Straße von Hormus auch die globalen Ölpreise in die Höhe getrieben, was die Inflation anheizt und die Geldbörsen der Amerikaner belastet. Doch dank eigener Öl- und Gasvorkommen sind die USA weit besser abgesichert als Europa und die Golfstaaten. „Die amerikanischen Ölproduzenten, LNG und Erdölprodukte verzeichnen eine zusätzliche Nachfrage”, bestätigt Analyst Wladimir Tschernow. Die Zeitung Iswestija zitiert Marktanalysten mit den Worten: „Die Vereinigten Staaten haben Saudi-Arabien und Russland bereits überholt und damit ihren Status als größter Öllieferant bestätigt.” Im Mai erreichten die Exporte von Rohöl und Erdölprodukten aus den USA rund 10,5 Millionen Barrel pro Tag – das ist ein Anstieg von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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