Skandal um bayerisches Hotel: Israelische Anfrage entfacht antisemitischen Sturm

Ein israelisches Ehepaar wollte Urlaub im Bayerischen Wald machen und stieß dabei auf eine entsetzliche Ablehnung. Über das Buchungsportal booking.com erkundigten sie sich nach einem Aufenthalt im „Hotel zum Hirschen“ in der Oberpfälzer Gemeinde Lam (rund 2.600 Einwohner), nahe der tschechischen Grenze. Die Antwort des Hotels via Plattform war kurz und vernichtend: „Sorry, there are no jews allowed in our hotel.“ (Deutsch: Es tut uns leid, aber in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.)

Wie die Jüdische Allgemeine (JA) berichtete, erstatteten die Urlauber daraufhin Beschwerde bei booking.com. Das Portal zog umgehend Konsequenzen und nahm das Hotel aus seinem Angebot. Die Unterkunft ist derzeit nicht mehr über die Plattform buchbar.

Der Vorfall löste eine Welle der Empörung aus. Auch das israelische Generalkonsulat in München schaltete sich ein. Die Generalkonsulin für Süddeutschland postete auf X: „Sind wir wieder in den 1930er Jahren? Ein Hotel hat einem Israeli folgendes geantwortet: ‚sorry, there are no Jews allowed in our hotel‘. Ich bin froh darüber, dass @bookingcom dieses Hotel von seiner Homepage verbannt hat.“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte umgehend juristische Konsequenzen. Präsident Josef Schuster erklärte: „Die menschenverachtende Aussage ‚keine Juden erlaubt‘ lässt sich unabhängig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen … Meine Erwartung ist, dass dieser Vorfall auf seine strafrechtlichen Konsequenzen überprüft wird.“ Auch der Antisemitismusbeauftragte des bayerischen Justizministeriums befasst sich mit dem Fall und prüft rechtliche Schritte. Ob ein formelles Verfahren gegen das Hotel eingeleitet wird, ist derzeit noch offen.

Hotel rudert zurück

Das Hotel in Lam entschuldigte sich mittlerweile bei den israelischen Reisenden – und lud sie sogar in den Bayerischen Wald ein. Die Erklärung: Ein Hotelmitarbeiter habe aus Frustration über eine Flut von falschen Buchungsanfragen die antisemitische Antwort verfasst. Doch Zentralratspräsident Schuster ließ diese Rechtfertigung nicht gelten: „Auch wenn ich die Entschuldigung für diese inakzeptable Äußerung zur Kenntnis genommen habe, bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken würde.“

Eine komplexe Vorgeschichte

Der Fall, über den israelische Medien wie y.net Global und die Times of Israel berichteten, sorgt auch in sozialen Netzwerken und unter Influencern für Aufsehen. Recherchen der Welt und des Journalisten Tobias Huch zeigen jedoch ein differenzierteres Bild, das die antisemitische Reaktion des Angestellten keineswegs entschuldigt. So kämpfe das Hotel seit Wochen mit betrügerischen Anfragen über booking.com. Die Hotelmitarbeiter hielten die Anfrage aus Israel für einen Betrugsversuch – was sie jedoch nicht war. Die Hotelinhaber bestätigten dies gegenüber der Welt.

Laut Huch lasse sich bei den Betrugsversuchen ein Muster erkennen: gestohlene Nutzerdaten, fiktive Identitäten und Gäste, die nie erscheinen. Die „Masche“ sei „immer dieselbe“: Nach einer vermeintlichen Buchung versuche jemand, über den Chat von booking.com Kontakt aufzunehmen, sich „Vertrauen zu erschleichen“ und die Kommunikation auf andere Kanäle zu lenken, um letztlich Bankdaten zu erlangen. Vor diesem Hintergrund sei den Mitarbeitern die Anfrage aus Israel verdächtig vorgekommen. Reservierungsanfragen aus Ländern außerhalb der EU seien selten, die Schreibweise sei ein „Wirrwarr aus Groß- und Kleinbuchstaben“ gewesen und die Adresse der Auftraggeber habe sich bei Google nicht finden lassen.

Aus formalen Gründen hätten die Angestellten die Anfrage als Betrugsversuch gewertet. Aus Vorsicht wäre eine kurze Absage angebracht gewesen. Stattdessen hätten sie aus Überlastung und Frustration überreagiert, was in der diskriminierenden Absage mündete.

Schadensbegrenzung und Nachdenkliches

Die Betreiberfamilie distanzierte sich in einem Schreiben, das auch an die Bayerische Staatskanzlei ging, vom Vorgehen der Mitarbeiter, stellte sich aber schützend vor sie: „Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren. Jedoch ist es so wie überall, wir, und unsere Mitarbeiter sind auch nur Menschen, und manchmal geht der Ärger mit einem durch.“ Auch an die israelischen Touristen wandte sich das Hotel und betonte, Diskriminierung und Ausgrenzung gehörten nicht zum Leitbild des Unternehmens.

Auf X finden sich neben zahlreichen Verurteilungen des Hotels auch nachdenkliche Stimmen. Nutzer „Monke, der Ingenieur“ schreibt: „Ich lehne sowas ab. Wie ist das aber mit Hotels die keine #AfD Politiker und Wähler erlauben? da heisst es dann ‚Hausrecht‘?“ Nutzer „Forklift“ überlegt: „Wenn das Hotel Muslime nicht angenommen hätte, hätten Sie das sicher gefeiert.“

Ironie der Geschichte: Erst im Februar 2025 hatte das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie das „Hotel zum Hirschen“ ausdrücklich gelobt. Das „Projekt“ in dem oberpfälzischen Betrieb sei „vorbildlich und wegweisend. Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht“. Damals ging es um die Umstellung der Hotelheizung auf Holzhackschnitzel.

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