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Deutschland

Einige persönliche Anmerkungen zum Hass

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 21:25 Uhr

Von Tom J. Wellbrock

Mein am 17. März 2024 erschienener Text über den Hass erfuhr viele Reaktionen. Meistens war der Tenor, Hass sei kein gutes Gefühl, man solle die Finger davonlassen, es bringe nichts, sondern belaste nur einen selbst. Wut oder Zorn, das seien angemessene Gefühle, mit denen sich “arbeiten” ließe. Hass dagegen sei kontraproduktiv. Es folgen einige Kommentare unter meinem Artikel:

“Vielleicht sollte sich, aus Verantwortung der restlichen Gesellschaft gegenüber, jeder selbst an der Nase packen und sich fragen, ob er wirklich hassen möchte.

Gegen die oben genannten Protagonisten darf – ja, sollte – man ja durchaus Ablehnung empfinden. Mehr ist aber nicht ratsam, da man sonst selbst ungenießbar wird. Und das bringt niemandem etwas.”

Oder dieser:

“Ich kann und will nicht hassen. Nie. Dann hätten ‘DIE’ gewonnen. Wütend will ich sein und zornig. Aber Hass soll nicht mein Herz beschmutzen. Ich will lieben.”

Oder auch dieser:

“Ärger ist eine normale Reaktion, wir ärgern uns und sollten dafür sorgen, dass Ärger nicht in Hass umschlägt und Wut und Zorn umarmen.

Hass ist ein Geistesgift und auch wenn die ‘Welt da draußen uns’ vergiften will, und das will sie, sollten wir uns reinigen, auch wenn es schwerfällt. Hass beschädigt nur uns selbst und kann schwere Krankheiten erzeugen. Das Heilmittel ist zunächst Selbstliebe.”

Viele Kommentare gingen in eine ähnliche Richtung, doch es gab auch “Ausreißer” wie diesen:

“Die Spuren der Esoterikpropaganda sind überall sichtbar. Hass ist eine völlig natürliche Emotion und nicht per se schädlich oder schlecht.”

Oder diesen:

“Ich kann mir auch nicht helfen. Wenn ich den Narzissten und Psychopathen in Berlin zuhöre, packt mich immer wieder von Hass begleitete Wut.”

Wie gesagt, die letzten beiden zitierten Kommentare waren Ausnahmen, der Tenor ging eher in die zuvor zitierte Richtung. Bevor ich auf die Bedeutung des Hassens eingehe, möchte ich aufzeigen, wie widersprüchlich die Debatte ist.

Guter Hass, schlechter Hass

Sicher erinnern Sie sich an die “Demos gegen rechts”, auf der eine große Zahl von Menschen Seite an Seite mit Regierungspolitikern teilgenommen hat. Und bestimmt wissen Sie, dass Slogans wie diese gang und gäbe waren und allgemein akzeptiert wurden:

“Ganz Berlin hasst die AfD.”

Ebenfalls in Erinnerung dürfte Ihnen dieses Plakat geblieben sein:

Die Reaktionen auf meinen Artikel passen nicht so richtig zu diesem Hass, der scheinbar gesellschaftlich akzeptiert und sogar unterstützt wird. Es sind die vermeintlich Friedliebenden, die keine Skrupel zeigen, ihren Hass nach außen zu tragen und sich dafür als verständnis- und liebevoll feiern zu lassen.

Nun könnte man entgegnen, man dürfe sich damit nicht gemein machen und die gleiche Methode anwenden bzw. dem gleichen destruktiven Gefühl erliegen. Aber damit begibt man sich in die Defensive und in die Handlungsunfähigkeit. Und in die Unfreiheit.

Hass nach Fromm

In dem verlinkten Artikel verweise ich auf den “reaktiven Hass” nach Erich Fromm, der darüber schreibt:

“Unter reaktivem Hass verstehe ich eine Hassreaktion, die entsteht aufgrund eines Angriffs auf mein Leben, meine Sicherheit, auf meine Ideale oder auf eine andere Person, die ich liebe oder mit der ich identifiziert bin. Reaktiver Hass setzt immer voraus, dass jemand eine positive Einstellung zum Leben, zu anderen Menschen und zu Idealen hat. Wer stark lebensbejahend ist, wird entsprechend reagieren, wenn sein Leben bedroht ist.”

Für mich ist das ein entscheidender Punkt, denn wir befinden uns in einem Zustand größter Gefahr. Die Gefahr eines bewusst und gewollt provozierten Krieges gegen Russland steht im Raum, und die Tatsache, dass sich die, die diesen Krieg heraufbeschwören, als ehrenhafte Kämpfer für den Frieden aufspielen, sollte Ausgangspunkt zahlreicher abneigender Emotionen sein.

Im Sinne Orwells nehmen die, die den Krieg forcieren, für sich den Friedenswillen in Anspruch, behaupten, der Papst sei ein Kriegstreiber und die Menschen, die für Verhandlungen auf die Straße gehen, seien “Lumpenpazifisten”, also Geschöpfe, die den Frieden und den “richtigen” Weg dorthin nicht zu schätzen wissen.

Wenn von mir erwartet wird, dass ich dieser Praxis und der daraus resultierenden Lebensgefahr mit Liebe und Toleranz begegnen soll, liegt meiner Meinung nach ein genereller Denkfehler vor.

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