Gesundheitsreform: Die gnadenlose Kürzungs-Axt trifft Kranke!

Gesundheitsreform in Deutschland: Kommen bald unbezahlte Krankentage?

Bislang genießen Arbeitnehmer in Deutschland einen verlässlichen Schutz im Krankheitsfall: Der Arbeitgeber zahlt für sechs Wochen das volle Gehalt weiter, wobei kleinere Betriebe eine teilweise Erstattung von den Krankenkassen erhalten. Erst danach übernimmt die Krankenkasse mit einem Krankengeld in Höhe von in der Regel 70 Prozent des Bruttogehalts. Diese Absicherung ist keineswegs in ganz Europa üblich. In vielen anderen Ländern ist die Lohnfortzahlung kürzer bemessen, fällt niedriger aus oder setzt erst nach einigen Tagen ohne Vergütung ein.

Doch nun deutet sich ein grundlegender Wandel an: Das Bundesgesundheitsministerium unter Ministerin Nina Warken (CDU) arbeitet an einem Gesetzentwurf, der die sinkende Zahl der Krankmeldungen stoppen und die Finanzen des Gesundheitswesens stabilisieren soll. Der Entwurf soll in dieser Woche dem Bundeskabinett vorgelegt werden. Medienberichten zufolge drängt Bundeskanzler Merz auf eine zügige Verabschiedung noch vor der parlamentarischen Sommerpause Ende Juni.

Konkret stehen Karenztage ohne Bezahlung und eine Kürzung der Lohnfortzahlung im Raum. Sollten diese Pläne umgesetzt werden, kämen auf die Beschäftigten erhebliche Einbußen zu. Der erste Krankheitstag bliebe dann unvergütet. Wie die Bild-Zeitung berichtet, denkt die schwarz-rote Koalition zudem über eine Begrenzung der Lohnfortzahlung auf einen bestimmten Zeitraum im Jahr nach. Möglicherweise müssten Arbeitgeber künftig nur noch einmal jährlich die vollen sechs Wochen zahlen. Bei wiederholten Erkrankungen würde lediglich das niedrigere Krankengeld der Kassen fließen.

Die Folgen wären für viele Betroffene gravierend. Besonders hart träfe es Geringverdiener und Beschäftigte mit hohem Ansteckungsrisiko wie Verkäufer oder Pflegekräfte, die keine Möglichkeit zum Homeoffice haben. Auch ältere Arbeitnehmer wären überproportional betroffen: Statistisch fehlen 60- bis 64-Jährige mit durchschnittlich 62 Krankheitstagen pro Jahr mehr als doppelt so oft wie ihre 20- bis 24-jährigen Kollegen, die nur 26 Tage ausfallen.

Nach Berechnungen der Bild-Zeitung wäre die finanzielle Belastung bei geringen Einkommen besonders spürbar. Ein Beschäftigter mit 2.200 Euro Bruttogehalt würde durch einen einzigen Karenztag 70 Euro verlieren. Bei 3.000 Euro Brutto wären es 95 Euro, bei 4.000 Euro 125 Euro.

Eine Begrenzung der jährlichen Lohnfortzahlung träfe zudem chronisch kranke Arbeitnehmer – etwa mit Rückenleiden, Burn-out, Depressionen oder Migräne –, deren Krankheitsverläufe oft besonders langwierig sind.

Sollten die Reformpläne wie erwartet durchgesetzt werden, stünden erkrankte Mitarbeiter vor einer schwierigen Abwägung: die Lohneinbuße in Kauf nehmen und sich zu Hause auskurieren – auch um Kollegen nicht anzustecken – oder sich krank zur Arbeit schleppen. Denn nicht jeder kann es sich leisten, monatlich 70 Euro oder mehr zu verlieren.

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