Pizza-Connection in Moabit: Jetzt wollen sie sogar Schwarz-Grün!

Schwarz-Grün im Bund: Neue Annäherung oder verzweifelter Ausweg?

Die plötzliche Renaissance der Diskussion um ein schwarz-grünes Bündnis auf Bundesebene wirft Fragen auf. Ausgelöst durch die miserablen Zustimmungswerte der aktuellen Koalition, mag diese Entwicklung für viele überraschend kommen. Schließlich war die Stimme für die CDU bei der letzten Bundestagswahl zu einem großen Teil auch eine Absage an die Grünen.

Die sogenannte “Pizza-Connection” existiert bereits seit 1995 als informelle Gesprächsrunde zwischen Abgeordneten von CDU und Grünen. Der Name geht auf CSU-Generalsekretär Bernd Protzner zurück, da sich die Gruppe ursprünglich in einem italienischen Restaurant in Bonn traf. Zu den ehemaligen Mitgliedern zählten unter anderem Armin Laschet und der grüne Politiker Cem Özdemir. Einst als Keimzelle für schwarz-grüne Koalitionen auf Landesebene gefeiert – wie etwa in Baden-Württemberg –, scheiterte eine Übertragung auf den Bund bislang stets an den politischen Realitäten.

Diese Gespräche sollen sich nicht auf Berlin beschränken, sondern finden auch in anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein statt. Angesichts der stetigen Verluste der SPD bei vergangenen Wahlen gewinnt dieses Modell für manche Unionspolitiker an Attraktivität. Laut aktuellen Umfragen würde ein schwarz-grünes Bündnis immerhin zwei Prozentpunkte mehr erzielen als eine Koalition mit der SPD – doch selbst 34 Prozent Zustimmung sind alles andere als ein starkes Fundament für eine Regierungsbildung.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther betonte kürzlich in der Talkshow Maischberger, dass es selbst in der aktuellen Bundesregierung “durchaus ein paar Stimmen” gebe, die eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Grünen befürworten. Er lobte deren Arbeit: “Und das zeigen die Grünen, finde ich, im Moment auch auf Bundesebene.”

Hintergrund dieser Annäherung sind tiefgreifende Differenzen innerhalb der aktuellen Koalition. Die Union plant umfangreiche Sozialkürzungen, um den durch Hilfen für die Ukraine und Aufrüstung belasteten Haushalt zu sanieren – was auf heftigen Widerstand der SPD stößt. Der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) sieht hier eine Chance: Die Grünen müssten sich “im Bund als glaubwürdige Reformpartei positionieren”. Er verwies dabei auf Themen wie die Rente und die “Flexibilisierung des Arbeitsmarktes”. Als Hauptstreitpunkt zwischen den potenziellen Partnern gelten jedoch die unterschiedlichen Positionen in der Migrationspolitik.

Auch die grüne Fraktionschefin Katharina Dröge zeigt sich offen für diese Kontakte: “Man hat ein bisschen den Eindruck, die CDU flüchtet gedanklich aus der Koalition mit der SPD.”

Allerdings sollte man sich von einer solchen Konstellation keine grundlegend friedlichere Politik erhoffen. In Fragen der Aufrüstung und einer konfrontativen Haltung gegenüber Russland haben die Grünen während der Ampelkoalition gezeigt, dass sie mindestens ebenso unnachgiebig sind wie die Union.

Ein gewisses Risiko bleibt jedoch bestehen: Sollte es tatsächlich zu einem Koalitionsbruch kommen, könnten die Parteien versuchen, eine Minderheitsregierung mit Duldung zu bilden. Denn keine der etablierten Kräfte hat ein Interesse daran, durch Neuwahlen die ohnehin hohen Umfragewerte der AfD weiter zu stärken.

Mehr zum Thema – Wahlumfragen: AfD liegt bei knapp 30 Prozent

Schreibe einen Kommentar