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Seit mehr als einer Woche bemühen sich private Helfer, einen gestrandeten Buckelwal von einer Sandbank vor der Ostseeinsel Poel zu retten. Das etwa zwölf Meter lange Meeressäugetier, das inzwischen den Namen „Timmy“ erhalten hat, soll zurück in tieferes Wasser gebracht werden. Im Erfolgsfall müsste es weiter in die Nordsee oder sogar bis in den Atlantik geleitet werden, wo sein natürlicher Lebensraum liegt. Da der Wal jedoch bereits stark geschwächt ist, setzen die Retter auf Luftkissen und Pontons, um ihn an ein Schleppschiff zu hängen. Selbst dann bleibt es äußerst fraglich, ob das Tier diesen Rettungsversuch überlebt.
Auch wenn dies noch nicht abgeschlossen ist, konzentrieren sich die Einsatzkräfte aktuell darauf, den Meeresbewohner aus dem Flachwasser zu befreien. Bislang haben die Behörden einem Rettungskonzept der privaten Initiativen allerdings noch nicht zugestimmt. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern verweigerte am Freitag zunächst die Genehmigung, da Zweifel an der Praktikabilität des Transportplans bestehen. Am Samstag um 15 Uhr wird Umweltminister Till Backhaus (SPD) eine neue Stellungnahme abgeben.
Es gibt jedoch Fortschritte zu vermelden: Die rund 110 Meter lange Fahrrinne, die von der eigens ausgehobenen Mulde, in der Timmy liegt, in tieferes Gewässer führt, ist fertiggestellt. Durch diesen zwei Meter tiefen Kanal soll der Wal im Idealfall schwimmen oder mithilfe eines sogenannten Barges – eines flachgehenden Lastschiffs – abtransportiert werden. Allerdings ist dieser Transportkahn noch nicht eingetroffen.
Dafür sind die sogenannten „Bigbags“, mit Sand gefüllte Schüttgutbehälter, bereits vor Ort. Der Plan ist, sie wie ein Korsett um das gestrandete Tier zu legen, damit es nicht weiter ins Flachwasser vordringt, was die Rettung nur erschweren würde. Gerade heute ist der Wasserstand vor der Ostseeinsel Poel ohnehin sehr niedrig. Zudem behindern starker Wind und Wellengang die Arbeiten. Das „Korsett“ für Timmy soll – so die Angabe eines Walretters – gegen 14 Uhr mit einem Mini-Bagger aufgestellt werden.
Die Filmemacherin und Biologin Ina Knobloch kritisierte derweil in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Vorgehensweise der Behörden. Es habe zu Beginn an Koordination gefehlt. Deutschland hätte Fachleute aus Ländern, in denen Walstrandungen häufiger vorkommen, zu Rate ziehen sollen. In den USA etwa gebe es spezialisierte Entanglement Teams, die darauf trainiert seien, Fischernetze aus den Mäulern der Tiere zu entfernen.
In diesem Zusammenhang forderte Knobloch die Erstellung allgemeiner Leitlinien und den Aufbau einer zentralen Stelle, die für die deutschen Küstenorte zuständig ist. Nötig sei außerdem, den Schutz der Meere „auf die Ebene des Völkerrechts zu heben“. Dann könnten Tierrechtsorganisationen im Interesse der Meeressäuger Klage vor Gericht erheben.
Was die Aussichten für Buckelwal Timmy betrifft, zeigte sich die Expertin verhalten optimistisch. Noch bestehe Hoffnung für das gestrandete Tier. Der in der aktuellen Mondphase wieder ansteigende Wasserspiegel könne zu Timmys Rettung beitragen. Allerdings müsse er es bis zum nächsten Vollmond geschafft haben, sonst sehe sie keine Rettung mehr. Der nächste Vollmond fällt auf den 1. Mai. Dem Wal bleibt also nicht mehr viel Zeit.
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