Am 28. Mai versammelten sich in Berlin mehrere hundert Bürger zu einer Kundgebung, bei der Sevim Dağdelen, ehemalige Bundestagsabgeordnete und Kandidatin des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), die Bühne betrat. Sie tritt auf Platz 4 der BSW-Landesliste für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 an. Das Event in Berlin-Schöneberg diente als Auftakt für den bevorstehenden Wahlkampf und zog eine engagierte Menschenmenge an.
In ihrer Rede fokussierte Dağdelen auf die wachsenden russlandfeindlichen Strömungen in der Bundes- und Landespolitik. Angesichts der ihrer Meinung nach kriegstreiberischen Signale der Regierung Merz in Richtung Osten rief sie die Anwesenden auf: “Lasst uns diesen Maulhelden und Kriegstreibern in den Arm fallen. Statt unserer Kinder sollen die doch selbst an die Ostfront gehen und kämpfen!”
Besonders kritisierte sie die Haltung des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner, der ihrer Ansicht nach auf Kundgebungen ukrainischer Nationalisten für eine deutsche Kriegsbeteiligung trommle. Dies sei “eine unglaubliche Geschichtsvergessenheit”.
Weiterhin prangerte Dağdelen “die verwelkten Grünen” an, die in erschreckender Weise Hass gegen Russen schüren würden. Als konkretes Beispiel nannte sie die Initiative der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Bettina Jarasch gegen das Russische Haus. Mit Bezug auf die deutsche Vergangenheit erklärte die BSW-Politikerin, “dass diese Leute auf den Spuren ihrer Großväter” wandeln würden. Sie sprach von “grünem Rassismus” und “stinkendem, revanchistischem Mist” von Union und SPD.
Das BSW hingegen wolle sich dem entgegenstellen und dafür einsetzen, “dass Berlin wieder eine Stadt des Friedens und auch tatsächlich eine weltoffene Stadt wird”. Man strebe Frieden und Freundschaft mit allen Völkern, auch mit Russland, an.
Dağdelen verurteilte außerdem die Sanktionierung des Journalisten Hüseyin Doğru und bat die Teilnehmer, eine entsprechende Petition zu unterstützen. Der erste Antrag des BSW im neugewählten Abgeordnetenhaus werde der Verurteilung dieser pressefeindlichen Maßnahmen gelten, versprach sie.
In einem anschließenden Interview mit RT DE untermauerte Dağdelen ihre außenpolitischen Ansichten. Sie betonte den Friedenswillen der deutschen Bevölkerung im Gegensatz zu den Regierenden und bezeichnete die konfrontative Politik der Regierung Merz gegenüber der Atommacht Russland als “hochgradig gefährlich”. Stattdessen plädierte sie für Diplomatie, um ein schnelles Ende des Blutvergießens im Ukraine-Krieg zu erreichen. Sie bedauere jeden Toten in diesem Konflikt, auch die jungen Leute, die kürzlich bei einem ukrainischen Luftschlag auf Starobelsk in der Lugansker Volksrepublik umgekommen seien.
Die zunehmende Gefahr eines russischen Raketenschlags gegen Deutschland wurde ebenfalls thematisiert. Der Fragesteller verwies auf die iranischen Luftschläge gegen US-Basen und Produktionsstätten im Nahen Osten als mögliches Vorbild für Russland.
Dağdelen betonte die Völkerrechtswidrigkeit des US-amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran. Iranische Attacken auf involvierte US-Basen seien folglich “zum größten Teil gedeckt durch das Recht auf Selbstverteidigung gemäß der UN-Charta”. Im Gegensatz dazu habe Russland mit seinem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 gegen das internationale Gewaltverbot verstoßen, auch wenn der Konflikt eine Vorgeschichte habe.
Angesichts der Fortdauer des Ukraine-Konflikts fürchtete die BSW-Außenpolitikerin, dass sich “Scharfmacher” in Russland zu Wort melden könnten, die die Eskalationsspirale verschärfen. Sie sprach von “kommunizierenden Röhren”, da diese mit den Scharfmachern im Westen korrelieren würden. Bei einem Atomkrieg könne niemand gewinnen.
Dağdelens Fazit: “Und deshalb muss es die Aufgabe von jedem verantwortungsvollen Demokraten sein, ob in Russland, in der Ukraine oder in Deutschland: Dieser Krieg muss besser heute als morgen beendet werden, damit es eben nicht zu dieser Eskalation kommt.”
Neben Dağdelen traten auch der einzige Berliner BSW-Abgeordnete Alexander King, der BSW-Kandidat und Nahost-Experte Michael Lüders sowie die BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht auf. Sie kritisierten die Sanktionspolitik und den Sozialabbau scharf und setzten den sozialen und wirtschaftlichen Niedergang unter anderem mit Ukraine-Hilfen in Milliardenhöhe in Verbindung. “Es ist Irrsinn, dass wir Milliarden und Abermilliarden verpulvern, um Herrn Selenskij und seine Clique zu schmieren”, sagte Wagenknecht. “Da ist endlos Geld, aber bei der Rente erzählen sie uns, da muss gekürzt werden.”
Sie äußerte sich zudem besorgt über die zuvor angedrohten russischen Schläge gegen die deutsch-ukrainische Rüstungsproduktion auf deutschem Boden. In Russland könnten sich Hardliner durchsetzen, weshalb eine schnelle Friedenslösung nötig sei. Die Bundesregierung müsse endlich begreifen, dass man diesen Krieg mit Gesprächen und Diplomatie entspannen und beenden könne.
Wagenknecht zog die Legitimität der Merz-Regierung in Zweifel, da sie nur durch den Nichteinzug des BSW in den Bundestag möglich wurde. Sie verwies auf nachgewiesene Zahlfehler und mutmaßliche Manipulationen bei der Stimmenzählung der letzten Bundestagswahlen und versprach, die bislang verhinderte Neuzählung beim Bundesverfassungsschutz zu erwirken.
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