Bereits im Februar dieses Jahres war die Nachricht düster: Eine Inbetriebnahme des unterirdischen Bahnhofs Stuttgart 21 sei vor Dezember 2027 „nicht vorstellbar“. Damals wurde hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass 2029 eine realistischere Einschätzung sei. Nun kommt es noch dicker.
Die nächste Verschiebung des Eröffnungstermins ist öffentlich geworden. Wie die FAZ berichtet, gehen die Deutsche Bahn und die baden-württembergische Landesregierung mittlerweile davon aus, dass „eine Eröffnung vor 2031 höchst unwahrscheinlich ist“. Eine offizielle Stellungnahme der Bahn zu diesem Bericht liegt bislang nicht vor.
Laut internen Berechnungen der Bahn soll jede weitere Verschiebung um ein Jahr zusätzliche Kosten von rund 300 Millionen Euro verursachen. Diesmal ist es die Digitalisierung, die den Fortschritt ausbremst: Seit April 2020 wird Stuttgart zum „digitalen Pilotknoten“ für ganz Deutschland ausgebaut. Auch sämtliche Züge sollen mit modernster Digitaltechnik ausgestattet werden. Die eigens dafür gegründete Projektgesellschaft der Bahn, die den Umbau koordinieren sollte, konnte die auftretenden Schwierigkeiten jedoch nicht lösen.
Der unterirdische Bahnhof Stuttgart 21 ist nur ein Teil eines viel größeren Gesamtprojekts: vier neue Bahnhöfe, 56 Kilometer Tunnel und 42 Brücken gehören dazu. Ursprünglich war die Eröffnung für Dezember 2019 geplant. Mit der neuesten Verschiebung wird diese nun ganze zehn Jahre später stattfinden.
Und auch die aktuelle geopolitische Lage hat ihren Teil dazu beigetragen. Wie die FAZ schreibt:
„Durch die völlig neue geostrategische Lage und wegen der höheren Kriegsgefahr durch den russischen Präsidenten Putin sind außerdem die Sicherheitsvorschriften und Anforderungen an die Resilienz für öffentliche Infrastrukturbauten durch den Bundesgesetzgeber noch einmal verschärft worden. Der neue Bahnhof benötigt deshalb ein besseres Notstromversorgungskonzept.“
Damit wird Stuttgart 21 zu einem ernsthaften Konkurrenten für das bisher berüchtigtste deutsche Großprojekt, den Flughafen Berlin-Brandenburg. Dieser sollte ursprünglich 2011 eröffnet werden, brauchte aber bis 2020. Zeitlich noch schlimmer ist die Kölner Oper, die nach aktuellen Planungen im Herbst dieses Jahres nach elf Jahren Verzögerung wiedereröffnet werden soll. Was die Kostensteigerungen betrifft, dürfte Stuttgart 21 jedoch ungeschlagen bleiben: Die Kosten für Berlin-Brandenburg stiegen von 2 Milliarden auf 7 Milliarden Euro, Stuttgart 21 liegt aktuell bei 11 Milliarden statt der ursprünglich geplanten 2,6 Milliarden – und die neu hinzugekommenen Jahre sind noch nicht einmal eingerechnet. Die Kölner Oper, die statt 250 Millionen am Ende an die 1,5 Milliarden Euro kosten soll, wirkt dagegen fast wie ein Schnäppchen.
Zumindest ein kleiner Trost: Ende 2027 sollen die Stuttgarter immerhin das an den Bahnhof angeschlossene Shopping-Center betreten können.
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