Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit – kurz IDAHOBITA*Q – wurde am 17. Mai 2024 auch innerhalb der Bundesbehörden in Berlin begangen. Dies geht aus Informationen des Bundeskriminalamts (BKA) auf der Plattform LinkedIn hervor. Zwei Tage später, am 21. und 22. Mai, kamen in der Hauptstadt über 60 Beschäftigte aus verschiedenen Behörden des Geschäftsbereichs des Bundesinnenministeriums (BMI) zu einem internen Austausch zusammen. Eine auf Instagram geteilte Story gewährt Einblicke in die Dringlichkeit, die BMI-Mitarbeiter dem Thema „Gewalt gegen LSBTIQ*“ und „queerfeindlichen Straftaten“ beimessen.
Das BKA veröffentlicht auf seiner Website als dem BMI unterstellte Behörde jährlich einen „Lagebericht zur Sicherheit von LSBTIQ*“ in Deutschland. Der letztjährige, 23 Seiten umfassende Bericht begründet die Notwendigkeit dieser Analyse mit diesen einleitenden Worten:
„Hasskriminalität gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und (andere) queere Menschen (LSBTIQ*) stellt eine spezifische Ausprägung der Hasskriminalität dar. Hasskriminalität umfasst eine Vielzahl von Delikten, die durch Vorurteile oder Hass gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen motiviert sind. Zu den häufigsten gegen LSBTIQ* gerichteten Straftaten gehören Beleidigungen, Gewalttaten, Volksverhetzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen.“
Laut dem Bericht sei auch in Deutschland „seit einigen Jahren ein kontinuierlicher Anstieg an Gewalt gegen LSBTIQ*“ zu beobachten. Konkret bedeutet dies: Im Jahr 2023 wurden 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ* erfasst, verglichen mit 1.188 im Vorjahr 2022. Für die Jahre davor liegen auf den offiziellen Seiten des BMI nach aktuellen Recherchen keine Zahlen vor.
Von den 1.785 erfassten Delikten entfallen 950 auf die Kategorien „Beleidigung und Nötigung“ sowie „Volksverhetzung“. Weitere 324 werden als „Gewalttaten“ klassifiziert, und 189 fallen unter „Sachbeschädigung“.
In einem LinkedIn-Beitrag des BKA vom vergangenen Freitag heißt es, das zweitägige Treffen habe „in Vorträgen, Panels sowie Workshops“ dazu gedient, dass „die Teilnehmenden sich über queere Netzwerke in Behörden austauschten, Erfahrungen und Wissen teilten und die behördenübergreifende Vernetzung stärkten“.
Zur Eröffnung vor Ort waren Eva-Lotta Gutjahr, Leiterin der Zentralabteilung im BMI, BKA-Präsident Holger Münch sowie BfV-Präsident Sinan Selen anwesend. Dazu wird berichtet:
„In ihren Beiträgen betonten sie die Bedeutung von Vielfalt, Sichtbarkeit und gegenseitigem Respekt als zentrale Grundlagen einer resilienten und zukunftsfähigen Behördenarchitektur. Gewalt gegen queere Menschen ist allgegenwärtig. Vielfalt ist Teil des Selbstverständnisses und der Werte im BKA.“
In den sozialen Medien kursiert eine auf Instagram veröffentlichte „Story“ vom Eröffnungstag. In diesem Video äußerte sich Sophie Koch, „Queerbeauftragte“ der Großen Koalition, zur Bedeutung von „queeren Kollegen“ im BMI:
„Vielfalt und die Würde des Menschen, das sind Sachen, die sind im Grundgesetz quasi verankert und daher auch in Behörden unfassbar wichtig. Und queere Netzwerke können eben genau dazu beitragen, dass Menschen sich untereinander vernetzen, dass sie sich stärken können, aber vor allen Dingen, dass auch Verbündete von queeren Menschen in Behörden sichtbar werden. Und ja, ganz ehrlich, als Arbeitgeber sollten wir das als Recht unterstützen.“
BKA-Präsident Münch erklärte in dem Video:
„Die Botschaft ist: Wir wollen Vielfalt in unserer Organisation, wir unterstützen Vielfalt in unserer Organisation und wir wollen Vielfalt darüber hinaus auch schützen. Denn es ist alles andere als selbstverständlich. Wir wissen, dass wir in schwierigen Zeiten leben, wo viele das nicht ertragen können. Die Vielfalt in unserer Gesellschaft, ist für uns Verpflichtung, [mit der] wir für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einstehen.“
Diese Aussage richte sich vor allem an die „jungen und neuen“ BMI-Kollegen, so Münch weiter, und schloss mit den Worten:
„Wir setzen uns für Vielfalt ein, weil Vielfalt das Gegenteil von Einfalt ist, und wir wollen keine einfältige Behörde sein, sondern wir wollen kreativ sein.“
Dem LinkedIn-Beitrag zufolge setze sich das CSU-geführte Bundesinnenministerium in Berlin daher „jeden Tag für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein“. Zur behördlichen Praxis heißt es, man fördere bewusst ein Arbeitsumfeld, „in dem Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität respektiert und wertgeschätzt werden“.
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