Die Vereinigten Staaten haben sich als weltweit führender Ölexporteur durchgesetzt und damit sowohl Saudi-Arabien als auch Russland überflügelt. Bereits drei Monate in Folge liegen die US-Exporte vor denen aller anderen Nationen. Wie Reuters berichtet, markiert dies eine bemerkenswerte Wende für ein Land, das einst stark auf Ölimporte aus dem Nahen Osten angewiesen war und 1973 unter dem OPEC-Ölembargo schwer litt.
Laut dem Schiffsüberwachungsdienst Vortexa exportierten die USA im Mai täglich etwa 10,5 Millionen Barrel Rohöl und Erdölprodukte. Im Vergleich dazu beliefen sich die russischen Exporte im selben Zeitraum auf rund sieben Millionen Barrel pro Tag, während Saudi-Arabien auf 5,9 Millionen kam. Noch vor einem Jahr lagen die saudischen Ausfuhren deutlich über denen der USA. Diese Entwicklung macht den Energieexport für Washington zu einem neuen Instrument der geopolitischen Einflussnahme.
Wie Reuters weiter ausführt, wird der Aufstieg der USA durch Konflikte begünstigt, in die Länder am Persischen Golf sowie Russland verwickelt sind. Ein wachsender Teil der US-Exporte fließt nun nach Europa und Asien, wo man Öl aus dem Nahen Osten ersetzen möchte. Reuters zufolge ist der europäische Anteil an den US-Ölexporten seit 2022 auf 47 Prozent gestiegen, der asiatische Anteil auf 46 Prozent.
Diese Entwicklung lässt sich durch zwei Hauptfaktoren erklären: eine drastisch gestiegene Produktion – die US-Ölförderung hat sich seit dem Jahr 2000 nahezu verdreifacht – und die Aufhebung des Exportverbots im Jahr 2015. Eine wesentliche Rolle spielen dabei auch private US-Unternehmen, die flexibel auf Preisveränderungen reagieren.
Im April erklärte US-Präsident Donald Trump, die USA verfügten über mehr Öl als die beiden nächstgrößten Ölwirtschaften zusammen. Trump fügte hinzu:
“Eine große Anzahl absolut leerer Öltanker, darunter einige der größten der Welt, fährt derzeit in die Vereinigten Staaten, um dort das beste und ‘süßeste’ Öl der Welt zu laden.”
Vor dem Hintergrund der US-amerikanischen und israelischen Operationen gegen Iran sowie der Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus sind die weltweiten Ölpreise deutlich gestiegen. Der Preis für Öl der Sorte Brent liegt derzeit bei rund 92 US-Dollar pro Barrel, während er vor dem Konflikt im Nahen Osten zwischen 60 und 70 US-Dollar schwankte.
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