Bulgarien: EU-kritische Kandidatin bei Präsidentenwahl vorn
Nach ersten Prognosen liegt die von der EU-kritischen Regierung unterstützte Iliana Iotova bei der Stichwahl um das Präsidentenamt deutlich vor ihrem pro-westlichen Herausforderer. Die amtierende Übergangspräsidentin hatte sich …
Bei der Präsidentenstichwahl in Bulgarien zeichnet sich ein Sieg für die amtierende Übergangspräsidentin Iliana Iotova ab. Laut ersten Exit-Polls liegt die von der Regierung des Ministerpräsidenten Rumen Radev unterstützte Kandidatin mit 50 bis 52 Prozent der Stimmen klar vor ihrem Kontrahenten Andrey Gyurov, auf den 43 bis 44 Prozent entfallen.
Iotova warb während des Wahlkampfes mit einer kritischen Haltung gegenüber der EU und lehnte militärische Hilfslieferungen an die Ukraine ab. Ihr Herausforderer Gyurov, ein ehemaliger Übergangspremierminister, vertrat dagegen eine ausgesprochen pro-westliche Position. Die Wahl gilt als wichtiger Indikator für die künftige Ausrichtung des Balkanlandes zwischen Brüssel und Moskau.
Die Kandidatin der Regierungspartei Fortschrittliches Bulgarien bedankte sich nach Schließung der Wahllokale bei den Wählern sowie bei Ministerpräsident Radev für deren Unterstützung. Ohne die Hilfe des Regierungschefs und seiner Partei hätte der Erfolg nicht möglich gewesen, erklärte sie laut einer bulgarischen Nachrichtenagentur.
Radev gilt seit längerem als einer der prominentesten EU-kritischen Staatschefs in der Region. Seine Regierung hatte sich wiederholt gegen Sanktionen gegen Russland und für eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts ausgesprochen. Ein Wahlsieg Iotovas würde diese politische Linie im Präsidentenpalast festigen.
Die offiziellen Endergebnisse der Stichwahl vom 1. November werden in den kommenden Tagen erwartet. Sollten die Prognosen bestätigt werden, erhielte Bulgarien erneut eine Staatsspitze, die die bisherige Westorientierung des Landes seit dem Beitritt zur Europäischen Union 2007 infrage stellt.