Am Montag hat in Genf die 79. Weltgesundheitsversammlung begonnen. Vom 18. bis zum 23. Mai versammeln sich dort Delegationen aus sämtlichen 192 WHO-Mitgliedsstaaten. Dies umfasst alle UN-Mitglieder mit Ausnahme von Argentinien, Liechtenstein und den USA.
Im Fokus der diesjährigen Versammlung steht die Umsetzung der Globalen Gesundheitsstrategie, auch als vierzehntes Allgemeines Arbeitsprogramm (GPW 14) bekannt. Dieses wurde bereits im Mai 2024 auf dem 77. WHO-Treffen verabschiedet und legt Maßnahmen fest, um Gesundheitssysteme zukunftsfähig zu machen. Der Umsetzungszeitraum erstreckt sich von 2025 bis 2028.
Die Versammlung findet laut des türkischen Nachrichtenportals Hürriyet Daily News vor dem Hintergrund „der Sorge über tödliche Hantavirus- und Ebola-Ausbrüche“ statt. Obwohl diese Virusausbrüche nicht offiziell auf der Tagesordnung stehen, wird erwartet, dass sie aufgrund der aktuellen Lage als Schwerpunktthema diskutiert werden.
Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die WHO die Ausbrüche nutzen könnte, um „Druck auf die Vereinigten Staaten und Argentinien auszuüben, damit sie nicht austreten“. Dies berichtete eine diplomatische Quelle gegenüber Hürriyet Daily News.
Nachdem die USA und Argentinien ihren Austritt angekündigt hatten, sah sich die WHO aufgrund von Mittelkürzungen gezwungen, Personal abzubauen. WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte Ende April: „Wir sind jetzt auf einem stabilen Kurs und kommen voran.“
Laut Suerie Moon, der Co-Direktorin des Global Health Centre am Graduate Institute in Genf, ist die Lage jedoch „nach wie vor fragil“. Es sei zwar gelungen, den Großteil der benötigten Mittel für die nächsten zwei Jahre zu sichern. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte sie, dass die Welt angesichts der Hantavirus-Krise eine zuverlässig finanzierte WHO brauche.
Die Hantavirus-Krise habe „deutlich gezeigt, warum die Welt eine effektive, vertrauenswürdige, unparteiische und zuverlässig finanzierte WHO braucht.“
Unter den Mitgliedsländern besteht weiterhin Uneinigkeit über den Umgang mit Pandemien. Ein Teil der Länder blockiert noch immer den WHO-Pandemievertrag. Die Verhandlungen sollen um ein weiteres Jahr verlängert werden.
Dem Exekutivrat der WHO wurde im Januar ein Antrag zur Genehmigung des Austritts von Argentinien vorgelegt; über diesen wird voraussichtlich während der Versammlung beraten. Über den Austritt der USA hingegen wird kein Wort verloren. Diplomaten zufolge herrscht weitgehend Einigkeit, eine Grauzone bestehen zu lassen, ob die USA tatsächlich ausgetreten seien. Ein europäischer Diplomat erklärte unter der Bedingung der Anonymität: „Wir hoffen, dass es für die USA still und leise über die Bühne geht.“
Kurz vor der WHO-Konferenz erklärte die WHO am Sonntag einen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite. Dies berichtete unter anderem die Morgenpost. Es handelt sich um die höchste Warnstufe für einen Virusausbruch. Nach WHO-Angaben wurden bislang rund 246 Verdachtsfälle und 80 Todesfälle gemeldet. Die Gesundheitsbehörde warnt, dass der Ausbruch „deutlich größer“ sein könnte als die offiziellen Zahlen vermuten lassen.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, dass es sich zwar nicht um einen Pandemie-Alarm handle, jedoch die Gefahr bestehe, dass sich die Viruskrankheit über die Grenzen des Kongo hinaus ausbreite. Tedros führte aus: „Der Ausbruch erfüllt nicht die Kriterien für einen Pandemie-Notfall, aber die Nachbarländer tragen ein hohes Risiko einer weiteren Ausbreitung.“
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