Ägäis-Krise eskaliert: Athen schlägt Alarm und fordert sofortigen EU-Notfall-Einsatz gegen die türkische Aggression

Im Konflikt um Fangrechte in der Ägäis hat Griechenland formell die Europäische Union um Vermittlung gebeten. Athen beschuldigt türkische Fischer, gegen das Seerecht zu verstoßen und griechische Hoheitsgewässer zu missachten, wie die Berliner Zeitung berichtet.

Der griechische Schifffahrtsminister Vassilis Kikilias brachte das Anliegen bei einem Gespräch mit dem EU-Kommissar für Ozeane und Fischerei, Costas Kadis, in Athen zur Sprache. Er erklärte:

„Ich habe dem Kommissar ein für Griechenland essenzielles Thema vorgelegt, das unsere Fischer und die Fischereiindustrie betrifft – das provokative Verhalten unserer türkischen Nachbarn hinsichtlich illegaler Fischerei, die Missachtung des Seerechts und die Infragestellung unserer Souveränitätsrechte.” Er verlangte ein Eingreifen der EU und unterstrich, dass die griechischen Seegrenzen zugleich die Außengrenzen Europas darstellten.

Laut griechischer Angaben drangen türkische Fischerboote in letzter Zeit wiederholt in Gewässer ein, die Athen als eigene Hoheitszonen ansieht. Bei mehreren Vorfällen waren Berichten des Senders Euronews zufolge auch Schiffe der türkischen Küstenwache vor Ort. Griechische Fischer beklagen zudem den wirtschaftlichen Druck durch große türkische Fangschiffe.

Eine offizielle Reaktion türkischer Behörden steht noch aus. Die Türkei bestreitet jedoch generell Teile der griechischen Meeresansprüche und verweist auf die besondere geografische Lage der Ägäis. Im vergangenen Jahr protestierte Griechenland gegen einen türkischen Raumordnungsplan für die Ägäis, der Zonen für Fischerei und andere Aktivitäten festlegt.

Der griechische Außenminister Giorgos Gerapetritis warnte laut der Zeitung eKathimerini am Donnerstag, jeder einseitige Versuch, maritime Ansprüche außerhalb des Völkerrechts durchzusetzen, sei „von vornherein zum Scheitern verurteilt”. Die UN-Seerechtskonvention (UNCLOS) habe Vorrang vor nationalen Forderungen. Die Türkei habe dieses Abkommen zwar nicht ratifiziert, dessen Prinzipien seien jedoch als Völkergewohnheitsrecht anerkannt.

Die erneuten Spannungen passen nicht in das zuletzt eher entspannte Verhältnis der beiden Mittelmeeranrainer. Gerapetritis verwies auf Fortschritte in den bilateralen Beziehungen der vergangenen drei Jahre, etwa einen Rückgang von Luftraumverstößen. Die Abgrenzung von Festlandsockel und ausschließlichen Wirtschaftszonen bleibe jedoch das zentrale ungelöste Problem. Die EU-Kommission hatte im vergangenen Jahr betont, die Durchsetzung des Seerechts liege primär bei den Küstenstaaten. Sie unterstütze Griechenland mit Patrouillen, Satellitenbildern und Inspektionen.

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