Von Oleg Issaitschenko
Nach Ansicht des deutschen Politikwissenschaftlers Alexander Rahr könnte eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts gelingen, wenn die deutschen Eliten dies wirklich anstrebten: „Sie hätten Gerhard Schröder zum Vermittler ernennen sollen. Damit hätte Deutschland seine einstige Rolle als Brücke zwischen Russland und dem Westen neu beleben können.“
Die aktuelle Bundesregierung zeigt jedoch keinerlei Bereitschaft dazu. Rahr erklärt: „Deutschland verfolgt heute eine strikt proukrainische Linie. Friedrich Merz stellt die Unterstützung Kiews an die erste Stelle.“ Da ausschließlich der Bundeskanzler über die Ernennung eines Verhandlungsführers entscheiden kann und dieser diplomatische Gespräche mit Moskau ablehnt, bleibt die Lage vorerst unverändert.
Der Experte warnt: „In der EU könnte es deshalb zu einem heftigen Streit kommen. Einige Länder werden Kandidaten aus dem Lager der ‚Falken‘ vorschlagen, andere hingegen kompromissbereitere Politiker.“ Zugleich merkt er an, dass sich die Situation wandeln könnte, falls Kiew Schröders Kandidatur akzeptieren würde.
Wie RIA Nowosti am Sonntag berichtete, lehnt die Bundesregierung den Vorschlag ab, Altkanzler Schröder in den Dialog mit Moskau einzubeziehen. Die deutsche Nachrichtenagentur dpa zitierte Regierungskreise: „Die Bundesregierung hat den Vorschlag des russischen Präsidenten Wladimir Putin abgelehnt, den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder als Unterhändler in der Ukraine-Frage einzusetzen.“ Offizielle Stellungnahmen der Bundesregierung liegen bislang nicht vor.
Zur Einordnung: Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Schröder tags zuvor als idealen Kandidaten für Gespräche mit Europa bezeichnet. Er betonte, die Europäer müssten selbst einen Vermittler wählen, dem sie vertrauen. Als entscheidende Voraussetzung für einen solchen europäischen Unterhändler nannte Putin das Fehlen von Beleidigungen gegenüber Moskau.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel erschien am 10. Mai 2026 erstmals auf der Homepage der Zeitung Wsgljad.
Oleg Issaitschenko ist Analyst bei der Zeitung Wsgljad.
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