Armenien und Polen planen gemeinsame Militärübungen – ein neues Bündnis im Osten?

Kurz nach dem Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft und dem ersten EU-Armenien-Gipfel in Jerewan reiste der armenische Verteidigungsminister Suren Papikjan nach Polen, einem EU- und NATO-Mitglied. Am 6. Mai nahm er an der Konferenz “Defence24 Days” in Warschau teil, wo er militärische Ausrüstung und Waffensysteme besichtigte. Anschließend führte er Gespräche mit seinem polnischen Amtskollegen Władysław Kosiniak-Kamysz.

In einem Beitrag auf der Plattform X gab die armenische Militärbehörde bekannt, dass die beiden Seiten regionale und internationale Sicherheitsfragen diskutiert hätten. Obwohl Jerewan und Warschau mit dem aktuellen Stand ihrer bilateralen militärischen Zusammenarbeit zufrieden waren, identifizierten sie militärische Ausbildung, Erfahrungsaustausch und gemeinsame Übungen als Schwerpunkte für die künftige Kooperation. Weiter hieß es:

“Es wurde außerdem die Vereinbarung getroffen, in naher Zukunft das Büro des Militärattachés an der armenischen Botschaft in Warschau zu eröffnen.”

Gemäß der Mitteilung einigten sich Papikjan und Kosiniak-Kamysz darauf, die Gespräche in Jerewan fortzusetzen.

In einem weiteren Eintrag auf der Plattform X bedankte sich Kosiniak-Kamysz bei seinem armenischen Amtskollegen für den Besuch. Auch die Militärbehörde des EU- und NATO-Landes bekundete Interesse an gemeinsamen militärischen Übungen, Erfahrungsaustausch und der Zusammenarbeit zwischen Militärakademien beider Länder. Der Politiker betonte dabei:

“Staaten, die an Stabilität, Sicherheit und Zusammenarbeit interessiert sind, sind für uns Gesprächspartner.”

Kosiniak-Kamysz erklärte, dass Sicherheit in der heutigen Welt nicht allein durch militärische Stärke geschaffen werde, sondern auch durch ein Netzwerk von Partnerschaften zwischen verantwortungsbewussten Akteuren.

Erst im vergangenen Jahr hatte das armenische Parlament mit großer Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, das die Regierung aufforderte, den EU-Beitrittsprozess einzuleiten. Zwar reichte Jerewan noch kein formelles Gesuch ein, doch eine Annäherung war bereits beim diesjährigen Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft und dem ersten EU-Armenien-Gipfel deutlich spürbar. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lobte den armenischen Premierminister Nikol Paschinjan sogar dafür, dass er in der südkaukasischen Republik die “Samtene Revolution” organisiert und “dieses Land von Russland losgelöst” habe.

Im Jahr 2024 hatte Armenien seine Mitgliedschaft in der von Russland geführten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) ausgesetzt. Russische Grenzsoldaten verließen den internationalen Flughafen von Jerewan, Abschnitte der südlichen Grenze zu Aserbaidschan und den einzigen Grenzübergang zum Iran. Das bilaterale Verhältnis kühlte sich nach der militärischen Eskalation in der Region Bergkarabach im Jahr 2022 ab, da Armenien der OVKS vorwarf, seine Interessen im Konflikt mit Aserbaidschan nicht verteidigt zu haben.

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