Von Pavan Kulkarni
Frankreich hat unter dem Druck der USA seine Einladung an Südafrika für den anstehenden G7-Gipfel im Juni in Évian zurückgezogen. Diese Entscheidung markiert einen weiteren Tiefpunkt in den bereits angespannten Beziehungen zwischen Washington und Pretoria.
Ursprünglich hatte der französische Präsident Emmanuel Macron seinen südafrikanischen Amtskollegen Cyril Ramaphosa während des G20-Gipfels im November 2025 persönlich zur Teilnahme eingeladen. Jener Gipfel war von den USA boykottiert worden.
“Wir haben erfahren, dass Frankreich aufgrund anhaltenden Drucks seine Einladung an Südafrika zur Teilnahme am G7-Treffen zurückziehen musste”, erklärte Vincent Magwenya, Sprecher von Ramaphosa, am 26. März gegenüber AFP. “Uns wurde mitgeteilt, dass die Amerikaner gedroht hätten, den G7-Gipfel zu boykottieren, wenn Südafrika vorschlagen würde.”
Die G7-Staaten – USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan – laden regelmäßig Gastländer ein, um den Dialog zu erweitern. Im Vorjahr war Südafrika noch Teil dieses erweiterten Kreises in Kanada gewesen. Für den diesjährigen Gipfel in Frankreich waren neben Südafrika ursprünglich auch Indien, Brasilien und Südkorea eingeladen.
Hintergrund: Eine sich verschlechternde Beziehung
Die diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Südafrika eskalieren seit Pretorias Klage gegen Israel wegen des Völkermordvorwurfs in Gaza vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) Ende 2023. Diese Klage stieß in Washington auf scharfe Ablehnung.
Unter der vorherigen US-Regierung von Joe Biden wurde bereits ein Gesetzentwurf (“US-South Africa Bilateral Relations Review Act”) eingebracht, der Südafrika vorwarf, sich mit “bösartigen Akteuren” wie der Hamas zu verbünden und enge Beziehungen zu China und Russland zu suchen.
“Im Gegensatz zu seiner erklärten Haltung der Blockfreiheit hat die südafrikanische Regierung eine Geschichte, sich mit bösartigen Akteuren zu verbünden, darunter die Hamas, eine von den USA als ausländische terroristische Organisation eingestufte und als Stellvertreter des iranischen Regimes fungierende Gruppe, und strebt weiter nach engeren Beziehungen zur Volksrepublik China und zur Russischen Föderation.”
Verschärfung unter der Trump-Administration
Seit Donald Trumps Amtsantritt im Januar 2025 hat sich die US-Haltung weiter verhärtet. Neben der fortgesetzten Unterstützung für Israel verbreitete Trump selbst die umstrittene und weithin widerlegte Theorie eines angeblichen “Völkermords” an der weißen Bevölkerung Südafrikas. Auch innenpolitische Maßnahmen Südafrikas zur Überwindung der Apartheid-Folgen brandmarkte er als Diskriminierung.
Ausweisung des Botschafters und wirtschaftlicher Druck
Im März 2025 eskalierte der Konflikt, als US-Außenminister Marco Rubio den damaligen südafrikanischen Botschafter Ebrahim Rasool zur “unerwünschten Person” erklärte und auswies. Der Vorwurf: Rasool habe bei einem Webinar den “weiß-supremacistischen Charakter” der MAGA-Bewegung thematisiert.
Kurz darauf verhängten die USA Zölle von 30 Prozent auf die meisten südafrikanischen Exporte – die höchsten in Subsahara-Afrika. Obwohl der Oberste Gerichtshof der USA diese Zölle im Februar 2026 kippte, verursachten sie bereits erheblichen wirtschaftlichen Schaden.
Südafrika zeigte sich wenig kompromissbereit. Nach der Ausweisung Rasools ernannte Pretoria keinen neuen Botschafter mehr; die Vertretung wird seither vom Geschäftsträger Thabo Thage in herabgestufter Funktion geleitet.
Frankreichs Rückzug und die neue Einladung
In diesem Klima der Konfrontation sah sich Frankreich gezwungen, seine Einladung an Südafrika zurückzuziehen. Anstelle Pretorias wurde nun Kenia eingeladen. Dessen Präsident William Ruto steht im eigenen Land häufig in der Kritik, sich allzu willfährig den Interessen der USA und ihrer westlichen Partner unterzuordnen.
Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espí
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