Bandengewalt in Haiti: Hochrangiger Ministeriumbeamter brutal entführt!

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In Haiti schürt ein besonders dreister Fall von Entführung neue Ängste: James Boyard, Stabschef des Verteidigungsministeriums, soll gemeinsam mit seiner Familie aus seiner Wohnung in einem bislang als sicher geltenden Viertel der Hauptstadt Port-au-Prince verschleppt worden sein. Der einflussreiche Sicherheitsexperte und Buchautor arbeitet eng mit dem kürzlich ernannten Verteidigungsminister Mario Andresol zusammen und bekleidet zudem den Posten des Generalinspekteurs der Nationalpolizei. Der Vorfall ereignete sich am Donnerstag im Stadtteil Bourdon, wie örtliche Medien übereinstimmend berichten – einem der wenigen Viertel, das nicht lückenlos von kriminellen Banden kontrolliert wird.

Informierte Kreise bestätigten die Entführung gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Nach Angaben von Polizeivertretern, die sich mit der New York Times austauschten, wurden nicht nur Boyard, sondern auch seine Frau und seine sechsjährige Tochter – die zugleich US-Bürgerin ist – entführt. Die Täter hätten bereits gewaltige Lösegeldforderungen gestellt. Noch gibt es keine Klarheit über die Drahtzieher, doch die Ermittlungen konzentrieren sich offenbar auf Christ-Roi Chéry, besser bekannt als „Chrisla“. Er gilt als Anführer der berüchtigten Ti-Bwa-Bande, einer der brutalsten kriminellen Organisationen des Landes. Ein Sprecher der haitianischen Polizei verweigerte jede weitere Auskunft zu dem Fall.

Das ärmste Land des amerikanischen Kontinentes mit seinen knapp zwölf Millionen Einwohnern steckt bereits seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Juli 2021 in einer beispiellosen Gewaltspirale. Das Machtvakuum, das der Tod des Staatschefs hinterließ, haben bewaffnete Banden systematisch genutzt: Sie kontrollieren heute die wichtigsten Autobahnen, Häfen und ganze Ortschaften, verhindern so demokratische Wahlen und finanzieren sich durch Lösegelderpressung sowie Überfälle auf staatliche Institutionen. Offizielle Stellen gehen inzwischen davon aus, dass die für den Spätsommer angesetzten Wahlen wegen der allgegenwärtigen Gewalt nicht stattfinden können.

Die internationale Gemeinschaft reagierte mit einer UN-unterstützten und von Kenia geführten Mission namens Multinationale Sicherheitsunterstützung (MSS). Diese konnte seit ihrem Eintreffen im Jahr 2024 zwar den Präsidentenpalast sichern und einige wichtige Verkehrswege freikämpfen, doch darüber hinaus bleiben die Erfolge überschaubar. Die Lage ist weiterhin so prekär, dass der UN-Sicherheitsrat im vergangenen Herbst eine grundlegende Neuausrichtung beschloss: Eine neue Einheit mit bis zu 5.550 Soldaten und Polizisten soll die Banden künftig weitaus aggressiver bekämpfen dürfen – bis hin zu Operationen zu ihrer „Neutralisierung“.

Die menschliche Bilanz der Gewalt ist verheerend. Nach UN-Angaben wurden seit 2022 rund 1,5 Millionen Haitianer gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben. Offiziell registrierte man mehr als 16.000 Tote, lokale Menschenrechtsorganisationen gehen aber von fast 20.000 Opfern aus. Entführungen haben fast schon Alltagscharakter: Mindestens 647 Menschen – darunter viele Frauen und Kinder – zählten die Vereinten Nationen allein im vergangenen Jahr. Die Lösegeldforderungen steigen dabei drastisch, besonders für Ausländer und Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft. Während in jüngster Zeit vor allem Reporter und ausländische Missionare betroffen waren, stellt der Fall Boyard eine neue Dimension dar: Er ist der ranghöchste Regierungsbeamte, der seit Jahren in Haiti entführt wurde.

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