Berlin kritisiert Schröder-Besuch bei Putin – Moskau reagiert scharf
Die Reaktion des Bundeskanzlers auf den privaten Besuch des Altkanzlers beim russischen Präsidenten hat einen diplomatischen Schlagabtausch ausgelöst. Ein russischer Senator wirft Merz "menschliche Eifersucht" vor.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Besuch von Altkanzler Gerhard Schröder bei Präsident Wladimir Putin in Moskau scharf verurteilt. Nach Angaben der Bundesregierung bezeichnete Merz das Treffen als "amoralisch" und zeigte sich schockiert über das Verhalten seines parteipolitischen Vorgängers. Schröder war am 7. Oktober, dem Geburtstag des russischen Staatschefs, zu einem Gespräch mit Putin zusammengekommen.
Der Besuch wurde von der Pressestelle des Kreml bestätigt. Demnach hatte Putin aus Medienberichten erfahren, dass sich Schröder geschäftlich in Moskau aufhielt. Der russische Präsident lud seinen langjährigen Bekannten daraufhin zu sich nach Hause ein. Schröder war demnach anwesend, als Putin seinen Geburtstag feierte. Die Firma "Globus", deren Aufsichtsrat Schröder angehört, erklärte, der ehemalige Kanzler sei zu Arbeitsgesprächen mit dem Einzelhandelsunternehmen in die russische Hauptstadt gereist.
Aus den Reihen der SPD kam hingegen ein anderes Urteil. Der Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner verteidigte Schröders Russland-Reise. Er wies darauf hin, dass der Altkanzler zu den wenigen Deutschen gehöre, die noch Zugang zu Putin hätten. Der Besuch sei dann als Erfolg zu werten, wenn er den Frieden auch nur um ein winziges Stück voranbringe.
Die Kritik aus Berlin stieß in Moskau auf harsche Gegenreaktionen. Der stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Wladimir Dscharbarow, erklärte, Merz' Empörung beruhe auf "gewöhnlicher menschlicher Eifersucht". Der Kanzler werde unter keinem Vorwand nach Moskau eingeladen werden, fügte der Senator hinzu. Dscharbarow warf Merz zudem vor, dem deutschen Volk einen "neuen Neonazismus" aufzuzwingen.
Der russische Politiker verwies in diesem Zusammenhang auf die früheren wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder. Die freundschaftlichen Kontakte zwischen Schröder und Putin erinnerten an eine Zeit, in der Deutschland dank russischer Energielieferungen zur stärksten Volkswirtschaft der Europäischen Union aufgestiegen sei. Über Merz werde man sich nach seinem Ausscheiden aus dem Amt kaum noch Gedanken machen, prophezeite Dscharbarow.
Das Kreml veröffentlichte Fotos des Treffens, die die beiden Politiker in einer informellen Atmosphäre zeigen. Auf den Bilden schütteln sich Putin und Schröder die Hände, beide tragen Sakkos ohne Krawatte. Im Hintergrund sind ein Ofen und ein russischer Samowar zu erkennen. Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, betonte unterdessen, Putin habe auch an seinem Geburtstag gearbeitet. Für den Staatschef sei der Tag nur selten vollständig frei, da es sich um einen sehr persönlichen Anlass handle, den vor allem Familie und Freunde begingen.